Soll ich Dich nun auf meine Weise unterhalten, so hörst Du nichts
Gescheuteres, und glaubst noch dazu, es bestreiten zu müssen. Tue das ja nicht.
Es kommt nichts dabei heraus. Es geht doch alles seinen Gang fort. Man vermag zu
wenig gegen das Vorurteil! Den Feind besiegst Du mit allen Fechterkünsten der
Dialektik nicht.
Es wäre ein Gegenstand zu scharfsinnigen Entdeckungsreisen, den verborgenen
Gängen dieses Kobolds nachzuspüren. Was der für Sprünge macht, wie der die Dinge
in den Köpfen der Menschen unter einander wirft, und wie sie geschickt sind,
immer das Dümmste und Einfältigste, was oben auf liegt, zu fassen, davon ließe
sich ein drolliges Lustspiel schreiben, presste es nur dem Dichter nicht unter
der Arbeit Angstschweiß aus; denn es will Einem an die Haut gegangen sein, um
die rasenden Mistificationen solcher Teufeleien zu verstehen.
Die Zeitung von meiner zweiten Heirat hast Du wohl schon, lieber Heinrich!
Tue Dir keine Gewalt an, lache dreist, ich lache mit. Lächerrlicher hat sich
nicht leicht ein Mensch gemacht, als ich. Die zweite Heirat!! - Ja, ja! das ist
so ein Stückchen von dem Einfluss des Vorurteils! Was da gesprochen, getan,
gelitten wird, um die einfachste Sache von der Welt confus zu machen. Ich sage
Dir, kein Mensch denkt über den Augenblick hinaus, wenn ihn der gerade packt.
Alle stehen in Gedanken darüber, aber - aber -! Ach! es ist eine erbärmliche
Historie, die Weltgeschichte.
Ich bin wie Alle! gefangen, da ich frei sein könnte. Ja, Heinrich! mir ist
gerade, als wenn mir ein Ambos an den Füßen hinge! Und dazu klatscht man um mich
herum in die Hände vor Entzücken, und lacht und freut sich taub und blind in den
Tag hinein.
Ich fürchte, das Lachen wird ihnen vergehen, mein steinernes Gesicht muss sie
zuletzt doch aus der Fassung bringen.
Du schreiest über Inconsequenz! Lieber Heinrich, das ist ein Wort, das, wie
die meisten, ohne allen Sinn angewendet, oder überhaupt gar nicht verstanden
wird. Gerade, weil das Unwillkührliche, der wahre Mensch in uns, sich nur
folgerecht entwickelt, und keine andere, als falsch ausgelegte Untreuen begehen
kann, weil er wohl für Augenblicke etwas mit sich machen lässt, doch selbst, das
heißt mit Seele und Herz, nur das ihm Eigentümliche tut, deshalb fällt der
Schein davon nach außen ungleich, und beleidigt das Auge durch schillernde
Bewegung.
Siehst Du, das ist es! Meiner Überzeugung nach sind es die
unbestechlichsten, klarsten, wahrhaftigsten Gemüter, die zumeist der
Treulosigkeit beschuldigt werden.
Was hilft so ein conventionelles Machtgebot, wenn sich die ganze menschliche
Natur dagegen empört?