ist und gar leicht pedantisch wird, wogegen er den entschiedensten Abscheu
hegte. Daher seine Abneigung gegen Terminologie.
Bei den vielfachsten Studien und Lektüre entdeckte er überall das Unzulängliche
und Lächerliche.
Shandeism nennt er die Unmöglichkeit, über einen ernsten Gegenstand zwei Minuten
zu denken.
Dieser schnelle Wechsel von Ernst und Scherz, von Anteil und Gleichgültigkeit,
von Leid und Freude soll in dem irländischen Charakter liegen.
Sagazität und Penetration sind bei ihm grenzenlos.
Seine Heiterkeit, Genügsamkeit, Duldsamkeit auf der Reise, wo diese
Eigenschaften am meisten geprüft werden, finden nicht leicht ihresgleichen.
So sehr uns der Anblick einer freien Seele dieser Art ergetzt, ebensosehr werden
wir gerade in diesem Fall erinnert, dass wir von allem dem, wenigstens von dem
meisten, was uns entzückt, nichts in uns aufnehmen dürfen.
Das Element der Lüsternheit, in dem er sich so zierlich und sinnig benimmt,
würde vielen andern zum Verderben gereichen.
Das Verhältnis zu seiner Frau wie zur Welt ist betrachtenswert. »Ich habe mein
Elend nicht wie ein weiser Mann benutzt«, sagt er irgendwo.
Er scherzt gar anmutig über die Widersprüche, die seinen Zustand zweideutig
machen.
»Ich kann das Predigen nicht vertragen, ich glaube, ich habe in meiner Jugend
mich daran übergessen.«
Er ist in nichts ein Muster und in allem ein Andeuter und Erwecker.
»Unser Anteil an öffentlichen Angelegenheiten ist meist nur Philisterei.«
»Nichts ist höher zu schätzen als der Wert des Tages.«
»Pereant, qui, ante nos, nostra dixerunt!«
So wunderlich könnte nur derjenige sprechen, der sich einbildete, ein
Autochton zu sein. Wer sich's zur Ehre hält, von vernünftigen Vorfahren
abzustammen, wird ihnen doch wenigstens ebensoviel Menschensinn zugestehn als
sich selbst.
Die originalsten Autoren der neusten Zeit sind es nicht deswegen, weil sie etwas
Neues hervorbringen, sondern allein weil sie fähig sind, dergleichen Dinge zu
sagen, als wenn sie vorher niemals wären gesagt gewesen.
Daher ist das schönste Zeichen der Originalität, wenn man einen empfangenen
Gedanken dergestalt fruchtbar zu entwickeln weiß, dass niemand leicht, wie viel
in ihm verborgen liege, gefunden hätte.
Viele Gedanken heben sich erst aus der allgemeinen Kultur hervor wie die Blüten
aus den grünen Zweigen. Zur Rosenzeit sieht man Rosen überall blühen.
Eigentlich kommt alles auf die Gesinnungen an; wo diese sind, treten auch die
Gedanken hervor, und nachdem sie sind, sind auch die Gedanken.
»Nichts wird leicht ganz unparteiisch wieder dargestellt. Man könnte sagen:
hievon mache der Spiegel eine Ausnahme, und doch sehen wir unser Angesicht
niemals ganz richtig darin; ja der Spiegel kehrt unsre Gestalt um und macht
unsre linke Hand zur rechten. Dies mag ein Bild sein für alle