Wilhelm mit einigem Unglauben. - »Da, wo die Sache zu Hause ist, die du lernen
willst«, versetzte Montan. »Den besten Unterricht zieht man aus vollständiger
Umgebung. Lernst du nicht fremde Sprachen in den Ländern am besten, wo sie zu
Hause sind? wo nur diese und keine andere weiter dein Ohr berührt?« - »Und so
wärst du«, fragte Wilhelm, »zwischen den Gebirgen zur Kenntnis der Gebirge
gelangt?« - »Das versteht sich.« - »Ohne mit Menschen umzugehen?« fragte
Wilhelm. - »Wenigstens nur mit Menschen«, versetzte jener, »die bergartig waren.
Da, wo Pygmäen, angereizt durch Metalladern, den Fels durchwühlen, das Innere
der Erde zugänglich machen und auf alle Weise die schwersten Aufgaben zu lösen
suchen, da ist der Ort, wo der wissbegierige Denkende seinen Platz nehmen soll.
Er sieht handeln, tun, lässt geschehen und erfreut sich des Geglückten und
Missglückten. Was nützt, ist nur ein Teil des Bedeutenden. Um einen Gegenstand
ganz zu besitzen, zu beherrschen, muss man ihn um sein selbst willen studieren.
Indem ich aber vom Höchsten und Letzten spreche, wozu man sich erst spät durch
vieles und reiches Gewahrwerden emporhebt, seh' ich die Knaben vor uns, bei
denen klingt es ganz anders. Jede Art von Tätigkeit möchte das Kind ergreifen,
weil alles leicht aussieht, was vortrefflich ausgeübt wird. Aller Anfang ist
schwer! Das mag in einem gewissen Sinne wahr sein; allgemeiner aber kann man
sagen: aller Anfang ist leicht, und die letzten Stufen werden am schwersten und
seltensten erstiegen.«
Wilhelm, der indessen nachgedacht hatte, sagte zu Montan: »Solltest du
wirklich zu der Überzeugung gegriffen haben, dass die sämtlichen Tätigkeiten, wie
in der Ausübung, so auch im Unterricht zu sondern seien?« - »Ich weiß mir nichts
anderes noch Besseres«, erwiderte jener. »Was der Mensch leisten soll, muss sich
als ein zweites Selbst von ihm ablösen, und wie könnte das möglich sein, wäre
sein erstes Selbst nicht ganz davon durchdrungen?« - »Man hat aber doch eine
vielseitige Bildung für vorteilhaft und notwendig gehalten.« - »Sie kann es auch
sein zu ihrer Zeit«, versetzte jener; »Vielseitigkeit bereitet eigentlich nur
das Element vor, worin der Einseitige wirken kann, dem eben jetzt genug Raum
gegeben ist. Ja, es ist jetzo die Zeit der Einseitigkeiten; wohl dem, der es
begreift, für sich und andere in diesem Sinne wirkt. Bei gewissen Dingen
versteht sich's durchaus und sogleich. Übe dich zum tüchtigen Violinisten und
sei versichert, der Kapellmeister wird dir deinen Platz im Orchester mit Gunst
anweisen