, das ist wahr, eigentlich
aber kann ich es mit diesem Geschlecht nicht mehr ernstlich nehmen. Ich habe
mich durchaus überzeugt, das Liebste, und das sind doch unsre Überzeugungen, muss
jeder im tiefsten Ernst bei sich selbst bewahren, jeder weiß nur für sich, was
er weiß, und das muss er geheimhalten; wie er es ausspricht, sogleich ist der
Widerspruch rege, und wie er sich in Streit einlässt, kommt er in sich selbst aus
dem Gleichgewicht, und sein Bestes wird, wo nicht vernichtet, doch gestört.«
Durch einige Gegenrede Wilhelms veranlasst, erklärte Montan sich ferner:
»Wenn man einmal weiß, worauf alles ankommt, hört man auf, gesprächig zu sein.«
- »Worauf kommt nun aber alles an?« versetzte Wilhelm hastig. - »Das ist bald
gesagt«, versetzte jener. »Denken und Tun, Tun und Denken, das ist die Summe
aller Weisheit, von jeher anerkannt, von jeher geübt, nicht eingesehen von einem
jeden. Beides muss wie Aus- und Einatmen sich im Leben ewig fort hin und wider
bewegen; wie Frage und Antwort sollte eins ohne das andere nicht stattfinden.
Wer sich zum Gesetz macht, was einem jeden Neugebornen der Genius des
Menschenverstandes heimlich ins Ohr flüstert, das Tun am Denken, das Denken am
Tun zu prüfen, der kann nicht irren, und irrt er, so wird er sich bald auf den
rechten Weg zurückfinden.«
Montan geleitete seinen Freund nunmehr in dem Bergrevier metodisch umher,
überall begrüßt von einem derben »Glück auf!«, welches sie heiter zurückgaben.
»Ich möchte wohl«, sagte Montan, »ihnen manchmal zurufen: Sinn auf!, denn Sinn
ist mehr als Glück; doch die Menge hat immer Sinn genug, wenn die Obern damit
begabt sind. Weil ich nun hier, wo nicht zu befehlen, doch zu raten habe,
bemüht' ich mich, die Eigenschaft des Gebirgs kennen zu lernen. Man strebt
leidenschaftlich nach den Metallen, die es enthält. Nun habe ich mir auch das
Vorkommen derselben aufzuklären gesucht, und es ist mir gelungen. Das Glück
tut's nicht allein, sondern der Sinn, der das Glück herbeiruft, um es zu regeln.
Wie diese Gebirge hier entstanden sind, weiß ich nicht, will's auch nicht
wissen; aber ich trachte täglich, ihnen ihre Eigentümlichkeit abzugewinnen. Auf
Blei und Silber ist man erpicht, das sie in ihrem Busen tragen; ich weiß es zu
entdecken: das Wie? behalt' ich für mich und gebe Veranlassung, das Gewünschte
zu finden. Auf mein Wort unternimmt man's versuchsweise, es gelingt, und man
sagt, ich habe Glück. Was ich