»Auf alle Fälle«, versetzte der Aufseher, »zuerst die Arme über die Brust und ernstaft-froh nach oben gesehen, ohne den Blick zu verwenden.« Er gehorchte, doch rief er bald: »Dies gefällt mir nicht sonderlich, ich sehe ja nichts da droben; dauert es lange? Doch ja!« rief er freudig, »ein paar Habichte fliegen von Westen nach Osten; das ist wohl ein gutes Zeichen?« - »Wienach du's aufnimmst, je nachdem du dich beträgst«, versetzte jener; »jetzt mische dich unter sie, wie sie sich mischen.« Er gab ein Zeichen, die Kinder verließen ihre Stellung, ergriffen ihre Beschäftigung oder spielten wie vorher. »Mögen und können Sie mir«, sagte Wilhelm darauf, »das, was mich hier in Verwunderung setzt, erklären? Ich sehe wohl, dass diese Gebärden, diese Stellungen Grüße sind, womit man Sie empfängt.« - »Ganz richtig«, versetzte jener, »Grüße, die mir sogleich andeuten, auf welcher Stufe der Bildung ein jeder dieser Knaben steht.« »Dürfen Sie mir aber«, versetzte Wilhelm, »die Bedeutung des Stufengangs wohl erklären? denn dass es einer sei, lässt sich wohl einsehen.« - »Dies gebührt Höheren, als ich bin«, antwortete jener; »so viel aber kann ich versichern, dass es nicht leere Grimassen sind, dass vielmehr den Kindern zwar nicht die höchste, aber doch eine leitende, fassliche Bedeutung überliefert wird; zugleich aber ist jedem geboten, für sich zu behalten und zu hegen, was man ihm als Bescheid zu erteilen für gut findet; sie dürfen weder mit Fremden noch unter einander selbst darüber schwatzen, und so modifiziert sich die Lehre hundertfältig. Außerdem hat das Geheimnis sehr große Vorteile: denn wenn man dem Menschen gleich und immer sagt, worauf alles ankommt, so denkt er, es sei nichts dahinter. Gewissen Geheimnissen, und wenn sie offenbar wären, muss man durch Verhüllen und Schweigen Achtung erweisen, denn dieses wirkt auf Scham und gute Sitten.« - »Ich verstehe Sie«, versetzte Wilhelm, »warum sollten wir das, was in körperlichen Dingen so nötig ist, nicht auch geistig anwenden? Vielleicht aber können Sie in einem andern Bezug meine Neugierde befriedigen. Die große Mannigfaltigkeit in Schnitt und Farbe der Kleider fällt mir auf, und doch seh' ich nicht alle Farben, aber einige in allen ihren Abstufungen, vom Hellsten bis zum Dunkelsten. Doch bemerke ich, dass hier keine Bezeichnung der Stufen irgendeines Alters oder Verdienstes gemeint sein kann, indem die kleinsten und größten Knaben untermischt so an Schnitt als Farbe gleich sein können, aber die