empor hebt. Denn erst nach mehreren Versuchen weiß das Herz, was es bedarf zur Erwiderung seiner innigsten Gefühle. Früher wirkte Zufall, Stimmung, misverstandene Sinnlichkeit und Wunsch, die innere Leere ausgefüllt zu sehen, auf unsere Wahl, und wir reichen voreilig dem Wesen, das uns entgegen tritt, die Hand, und wähnen nun, der ganze dunkle Raum der Zukunft müsse sich in ein blühendes Paradies verwandeln. Doch - nach und nach werden die goldenen Illusionen zu Flittergold, das rauschend von verwelkten Kränzen abfällt - wir finden uns getäuscht und täuschen wieder, indem wir gewaltsam uns zum Wortalten von Dingen zwingen wollen, die sich eigentlich gar nicht versprechen lassen. Endlich ist der Freiheit Kleinod wieder errungen, und vorsichtiger wagen wir den zweiten Versuch; denn darin gleicht das Herz dem Taucher, der doch wieder ins Meer hinabstürzt, wenn er gleich mehrere Muscheln heraufgebracht hat, in denen keine Perle war. Finden wir auch hier nicht dies Echo eines vollharmonischen Gemüts in der Brust, der wir zum zweitenmal die Krone des Lebens reichten - nun so schrecken die Mistöne, die wir vernehmen, uns schon leichter wie das erstemal, der dritten Liebe zu, und so fort und immer fort, bis wir endlich finden, was uns not tut, oder bis wir auch verzagen, und zweifeln müssen, dass es auf Erden existiert. Ich glaube gern, dass Sie diese schönen Erfahrungen aus der Wirklichkeit, oder vielmehr aus ihrem eigenen Leben entlehnt haben, unterbrach ihn die Gräfin, und begreife nun um so leichter, woher es kommt, dass sich die meisten Männerherzen so abnutzen, dass sie nur in Trümmern und einzelnen Bruchstücken, oder wie eine Münze, an der das Gepräge verwischt ist, das Ziel erreichen. Die Herzen, deren Gepräge sich verwischen, antwortete der Gesandte lachend, sind nur Fleischklumpen, von der warmen Blutwelle zu tierischen Funktionen, nicht zu jener höheren Sehnsucht getrieben, die ja eigentlich nur allein die Ursache des sogenannten männlichen Wankelmutes ist. Wie die frische Quelle sich ewig erneut, so viel auch aus ihr geschöpft wird, so - nur immer mehr gereinigt durch das Sandbad der Erfahrung - ist auch ein reich ausgestattetes liebefähiges Herz, habe es sich auch noch so oft vorher, vom Wahn verblendet, hingegeben. Übrigens will es denn doch auch verlauten, dass die so hoch gerühmte weibliche Beständigkeit schon vom Anfang der Welt an gar manchen Anfechtungen, nicht nur unterworfen gewesen, sondern auch erlegen ist, und dass besonders bei Ihrem Geschlecht sich der alte Satz bewährt, dass - wenn die Sonne untergegangen, dann die Sterne zu flimmern beginnen, c'est à dire, wenn ich eine freie Übersetzung dieser Behauptung hinzufügen darf: wenn der Geliebte abwesend, oder heimgegangen ist, wie