Gesellschaft, wie sie sich nun eben gestaltet hat, entgegengesetztem
Streben überall an und verletzen sich selbst und andere; genug, sie gleichen
dem, der, wenn eben eine ganze Reihe muntrer Spaziergänger einträchtig
hinauswandelt, sich allein zum Tore hineindrängt und nun, mit Ungestüm seinen
Weg verfolgend, diese ganze Reihe verstört. Man schreibt, ich weiß es, dies dem
Mangel gesellschaftlicher Kultur zu, die am Schreibtische nicht zu erlangen, ich
meine indessen, dass diese Kultur gar leicht zu erlangen sein, und dass jene
unbesiegbare Unbehilflichkeit wohl noch einen andern Grund haben müsse. - Der
große Dichter oder Philosoph müsste es nicht sein, wenn er seine geistige
Überlegenheit nicht fühlen sollte; aber ebenso müsste er nicht das jedem
geistreichen Menschen eigne tiefe Gefühl besitzen, um nicht einzusehen, dass jene
Überlegenheit deshalb nicht anerkannt werden darf, weil sie das Gleichgewicht
aufhebt, das stets zu erhalten die Haupttendenz der sogenannten vornehmeren
Gesellschaft ist. Jede Stimme darf nur eingreifen in den vollkommenen Akkord des
Ganzen, aber des Dichters Ton dissoniert und ist, kann er unter andern Umständen
auch ein sehr guter sein, dennoch in dem Augenblick ein schlechter Ton, weil er
nicht zum Ganzen passt. - Der gute Ton besteht aber so wie der gute Geschmack in
der Unterlassung alles Ungehörigen. Nun meine ich ferner, dass der Unmut, der
sich aus dem widersprechenden Gefühl der Überlegenheit und der ungehörigen
Erscheinung bildet, den in dieser sozialen Welt unerfahrnen Dichter oder
Philosophen hindert, das Ganze zu erkennen und darüber zu schweben. Es ist
nötig, dass er in dem Augenblick seine innere geistige Überlegenheit nicht zu
hoch anschlage, und unterlässt er dies, so wird er auch die sogenannte höhere
gesellschaftliche Kultur, die auf nichts anders hinausläuft, als auf das
Bemühen, alle Ecken, Spitzen wegzuhobeln, alle Physiognomien zu einer einzigen
zu gestalten, die eben deshalb aufhört eine zu sein, nicht zu hoch anschlagen.
Dann wird er, verlassen von jenem Unmut, unbefangen das innerste Wesen dieser
Kultur und die armseligen Prämissen, worauf sie beruhet, leicht erkennen und
schon durch die Erkenntnis sich einbürgern in die seltsame Welt, welche eben
diese Kultur als unerlässlich fordert. - Auf eigne Weise verhält es sich mit den
Künstlern, die, sowie Dichter, Schriftsteller, der Vornehme hie und da in seine
Zirkel ladet, um der guten Sitte nach auf eine Art von Mäzenat Anspruch machen
zu können. Diesen Künstlern klebt leider gewöhnlich etwas vom Handwerk an, und
deshalb sind sie entweder demütig bis zur Kriecherei oder ungezogen bis zur
Bengelhaftigkeit.«
(Anmerk. der Herausgeb.: - Murr, es tut mir leid, dass du dich so oft mit
fremden Federn schmückst. Du wirst, wie ich mit Recht befürchten muss, dadurch
bei den