der Fürst, dass die Wissenschaft mich adle
und fähig mache, in seiner Umgebung zu erscheinen.«
»Er hält es wirklich so, kokettierend mit aufgeklärtem Sinn für Wissenschaft
und Kunst. Sie werden im Zirkel des Hofes manchen bürgerlichen Gelehrten und
Künstler bemerkt haben, aber die Feinfühlenden unter diesen, denen Leichtigkeit
des innern Seins abgeht, die sich nicht in heiterer Ironie auf den hohen
Standpunkt stellen können, der sie über das Ganze erhebt, sieht man nur selten,
sie bleiben auch wohl ganz aus. Bei dem besten Willen, sich recht vorurteilsfrei
zu zeigen, mischt sich in das Betragen des Adligen gegen den Bürger ein gewisses
Etwas, das wie Herablassung, Duldung des eigentlich Unziemlichen aussieht; das
leidet kein Mann, der im gerechten Stolz wohl fühlt, wie in adliger Gesellschaft
oft nur er es ist, der sich herablassen und dulden muss das geistig Gemeine und
Abgeschmackte. Sie sind selbst von Adel, Herr Leonard, aber wie ich höre, ganz
geistlich und wissenschaftlich erzogen. Daher mag es kommen, dass Sie der erste
Adlige sind, an dem ich selbst im Zirkel des Hofes unter Adligen auch jetzt
nichts Adliges, im schlimmen Sinn genommen, verspürt habe. Sie könnten glauben,
ich spräche da als Bürgerlicher vorgefasste Meinungen aus, oder mir sei
persönlich etwas begegnet, das ein Vorurteil erweckt habe, dem ist aber nicht
so. Ich gehöre nun einmal zu einer der Klassen, die ausnahmsweise nicht bloß
toleriert, sondern wirklich gehegt und gepflegt werden. Ärzte und Beichtväter
sind regierende Herren - Herrscher über Leib und Seele, mithin allemal von gutem
Adel. Sollten denn auch nicht Indigestion und ewige Verdammnis den Kourfähigsten
etwas weniges inkommodieren können? Von Beichtvätern gilt das aber nur bei den
katholischen. Die protestantischen Prediger, wenigstens auf dem Lande, sind nur
Hausoffizianten, die, nachdem sie der gnädigen Herrschaft das Gewissen gerührt,
am untersten Ende des Tisches sich in Demut an Braten und Wein erlaben. Mag es
schwer sein, ein eingewurzeltes Vorurteil abzulegen, aber es fehlt auch
meistenteils an gutem Willen, da mancher Adliger ahnen mag, dass nur als solcher
er eine Stellung im Leben behaupten könne, zu der ihm sonst nichts in der Welt
ein Recht gibt. Der Ahnen- und Adelstolz ist in unserer, alles immer mehr
vergeistigenden Zeit eine höchst seltsame, beinahe lächerliche Erscheinung. -
Vom Rittertum, von Krieg und Waffen ausgehend, bildet sich eine Kaste, die
ausschließlich die andern Stände schützt, und das subordinierte Verhältnis des
Beschützten gegen den Schutzherrn erzeugt sich von selbst. Mag der Gelehrte
seine Wissenschaft, der Künstler seine Kunst, der Handwerker, der Kaufmann sein
Gewerbe rühmen, siehe, sagt der Ritter, da kommt ein ungebärdiger Feind, dem
ihr, des Krieges Unerfahrne,