Worte zuzuwerfen. Bei den Damen, die sie umgaben, war ich
glücklicher; mein Äußeres schien einen günstigen Eindruck gemacht zu haben, und
indem ich mich oft in ihren Kreisen bewegte, gelang es mir bald, diejenige
wunderliche Weltbildung zu erhalten, welche man Galanterie nennt und die in
nichts anderm besteht, als die äußere körperliche Geschmeidigkeit, vermöge der
man immer da, wo man steht oder geht, hinzupassen scheint, auch in die
Unterhaltung zu übertragen. Es ist die sonderbare Gabe, über nichts mit
bedeutenden Worten zu schwatzen und so den Weibern ein gewisses Wohlbehagen zu
erregen, von dem, wie es entstanden, sie sich selbst nicht Rechenschaft geben
können. Dass diese höhere und eigentliche Galanterie sich nicht mit plumpen
Schmeicheleien abgeben kann, fließt aus dem Gesagten, wiewohl in jenem
interessanten Geschwätz, das wie ein Hymnus der Angebeteten erklingt, eben das
gänzliche Eingehen in ihr Innerstes liegt, so dass ihr eigenes Selbst ihnen klar
zu werden scheint und sie sich in dem Reflex ihres eignen Ichs mit Wohlgefallen
spiegeln. - - Wer hätte nun noch den Mönch in mir erkennen sollen! - Der einzige
mir gefährliche Ort war vielleicht nur noch die Kirche, in welcher es mir schwer
wurde, jene klösterliche Andachtsübungen, die ein besonderer Rhythmus, ein
besonderer Takt auszeichnet, zu vermeiden. -
Der Leibarzt war der einzige, der das Gepräge, womit alles wie gleiche Münze
ausgestempelt war, nicht angenommen hatte, und dies zog mich zu ihm hin, so wie
er sich deshalb an mich anschloss, weil ich, wie er recht gut wusste, anfangs die
Opposition gebildet und meine freimütigen Äußerungen, die dem für kecke Wahrheit
empfänglichen Fürsten eindrangen, das verhasste Pharospiel mit einemmal verbannt
hatten.
So kam es denn, dass wir oft zusammen waren und bald über Wissenschaft und
Kunst, bald über das Leben, wie es sich vor uns ausbreitete, sprachen. Der
Leibarzt verehrte ebenso hoch die Fürstin als ich und versicherte, dass nur sie
es sei, die manche Abgeschmackteit des Fürsten abwende und diejenige sonderbare
Art Langeweile, welche ihn auf der Oberfläche hin- und hertreibe, dadurch zu
verscheuchen wisse, dass sie ihm oft ganz unvermerkt ein unschädliches Spielzeug
in die Hände gebe. Ich unterließ nicht, bei dieser Gelegenheit mich zu beklagen,
dass ich, ohne den Grund erforschen zu können, der Fürstin durch meine Gegenwart
oft ein unausstehliches Missbehagen zu erregen scheine. Der Leibarzt stand sofort
auf und holte, da wir uns gerade in seinem Zimmer befanden, ein kleines
Miniaturbild aus dem Schreibepult, welches er mir mit der Weisung, es recht
genau zu betrachten, in die Hände gab. Ich tat es und erstaunte nicht wenig, als
ich in den Zügen des Mannes, den das Bild darstellte,