mit ihnen versöhnt ist,
beschwerlich, ja lächerlich werden müssen. Doch könnten wir leicht mit
Buchstaben einstweilen das Verhältnis ausdrücken, wovon hier die Rede war.«
»Wenn Sie glauben, dass es nicht pedantisch aussieht,« versetzte der
Hauptmann, »so kann ich wohl in der Zeichensprache mich kürzlich zusammenfassen.
Denken Sie sich ein A, das mit einem B innig verbunden ist, durch viele Mittel
und durch manche Gewalt nicht von ihm zu trennen; denken Sie sich ein C, das
sich ebenso zu einem D verhält, bringen Sie nun die beiden Paare in Berührung: A
wird sich zu D, C zu B werfen, ohne dass man sagen kann, wer das andere zuerst
verlassen, wer sich mit dem andern zuerst wieder verbunden habe.«
»Nun denn!« fiel Eduard ein; »bis wir alles dieses mit Augen sehen, wollen
wir diese Formel als Gleichnisrede betrachten, woraus wir uns eine Lehre zum
unmittelbaren Gebrauch ziehen. Du stellst das A vor, Charlotte, und ich dein B;
denn eigentlich hänge ich doch nur von dir ab und folge dir wie dem A das B. Das
C ist ganz deutlich der Kapitän, der mich für diesmal dir einigermaßen entzieht.
Nun ist es billig, dass, wenn du nicht ins Unbestimmte entweichen sollst, dir für
ein D gesorgt werde, und das ist ganz ohne Frage das liebenswürdige Dämchen
Ottilie, gegen deren Annäherung du dich nicht länger verteidigen darfst.«
»Gut!« versetzte Charlotte. »Wenn auch das Beispiel, wie mir scheint, nicht
ganz auf unsern Fall passt, so halte ich es doch für ein Glück, dass wir heute
einmal völlig zusammentreffen und dass diese Natur-und Wahlverwandtschaften unter
uns eine vertrauliche Mitteilung beschleunigen. Ich will es also nur gestehen,
dass ich seit diesem Nachmittage entschlossen bin, Ottilien zu berufen; denn
meine bisherige treue Beschliesserin und Haushälterin wird abziehen, weil sie
heiratet. Dies wäre von meiner Seite und um meinetwillen; was mich um Ottiliens
willen bestimmt, das wirst du uns vorlesen. Ich will dir nicht ins Blatt sehen,
aber freilich ist mir der Inhalt schon bekannt. Doch lies nur, lies!« Mit diesen
Worten zog sie einen Brief hervor und reichte ihn Eduarden.
Fünftes Kapitel
Brief der Vorsteherin
»Euer Gnaden werden verzeihen, wenn ich mich heute ganz kurz fasse; denn ich
habe nach vollendeter öffentlicher Prüfung dessen, was wir im vergangenen Jahr
an unsern Zöglingen geleistet haben, an die sämtlichen Eltern und Vorgesetzten
den Verlauf zu melden; auch darf ich wohl kurz sein, weil ich mit wenigem viel
sagen kann. Ihre Fräulein Tochter hat sich in jedem Sinne als die Erste
bewiesen. Die beiliegenden Zeugnisse, ihr eigener Brief,