der Tat so sehr, dass er sich selbst verachtet haben würde, wenn er in sich nur den Künstler gesehen hätte. Was ihn unaussprechlich verwundete, war die Unempfindlichkeit seiner Zeitgenossen gegen den Zweck seiner Schöpfungen. Erraten sollten sie ihn und zu einem unendlichen Fürstenhass hingerissen werden; und da weder das eine noch das andere erfolgte, indem die Zuschauer und Leser nur bei dem tragischen Schicksal seiner Helden verweilend, lieber dem Mitleid als dem Unwillen Raum gaben, so wurde der Graf bisweilen zu einer Verzweifelung getrieben, worin es keinen anderen Trost für ihn gab, als die Idee eines unbegränzten Ruhmes, der seiner in besseren Zeiten harrete. Mit unbeschreiblicher Wollust erfüllte ihn dagegen alles, was die Wahrheit seiner Grundidee auch nur von fernher bestätigte. Die Nordamerikanische Revolution war für ihn eine Erscheinung von unberechenbarer Wirksamkeit für den gesellschaftlichen Zustand von Europa; und so bestimmt sah er durch sie alle Tronen umgestürzt, dass er in einem Washington den Heiland der Welt verehrte. Was ihn zu seiner eigenen Gattung machte, war diese innige Vereinigung des Schönen mit dem Politischen, die sein Wesen so einzig bestimmte. Ob die Idee, von welcher er ausging, probehältig war, oder nicht, das kann und mag ich nicht bestimmen; das weiß ich aber, dass sie in ihm eine philantropische war. Gibt es für die wahre Größe keinen anderen Maßstab, als die Ideen, womit ein Individuum sich unablässig beschäftigt; so stand Vittorio Alfieri in einer Größe da, welche die Mehrzahl gigantisch zu nennen gezwungen ist. Und welche Kindlichkeit bei dieser Größe! Eben der Mann, dessen Kopf in politischer Hinsicht einem Vulkan glich, war durchaus unfähig, irgend ein Individuum zu kränken, selbst dann nicht, wenn er es verachten musste. Er selbst sprach hierüber, als über einen ewigen Widerspruch zwischen seinem Herzen und seinem Kopf, und war nur allzuoft ungewiss, ob er sich für einen Tersites oder Achilles halten sollte; dies rührte aber nur daher, dass er in seinem Unwillen und Hass die Liebe verkannte, welche die Quelle derselben war. In sich selbst war er ein Ganzes, wie die Natur es selten hervorbringt; allein, indem er sich nicht als ein solches erschien, konnte er, anstatt sich seiner Individualität zu freuen, sich nur zerreiben und vor der Zeit zerstören. Bewundernswürdig waren seine Affektionen in Beziehung auf einzelne Zweige der Kunst. Wäre er bloß Künstler gewesen, so würde die Kunst für ihn eine einige gewesen sein; denn er hätte in den Künstlern nur immer die Poeten sehen können. Weil er aber Graf und Künstler zugleich war, so schied er die Poesie von allen übrigen Künsten, und mehrere derselben berührten ihn gar nicht. So waren z.B. Malerei und Bildhauerei durchaus nicht für ihn