gehaltloser Mensch, wenn ein solcher noch Mensch genannt werden kann. Aber indem ich dies ganz und gar nicht befürchte, erwarte ich nichts Geringeres von dir, als eine Vereinigung oder vielmehr Verschmelzung der schönen Form mit einem reichen Wesen; gerade wie bei dem Diamant, um bei dem einmal gebrauchten Bilde zu bleiben. Besorge nicht, dass man dir irgend eine Gewalt antun werde. Alle tugendhaften Neigungen, die in dir sind, wirst du befriedigen können, wenn du Verstand genug hast, deine Pflichten scharf ins Auge zu fassen. Selbst deinen Gewohnheiten brauchst du nicht zu entsagen, wofern du nicht für gut befindest, neue anzunehmen. Sehr bald wirst du die Entdeckung machen, dass man sich auch bei Hofe nicht von dem allgemeinen Gesetze dispensiren kann, den Menschen nur nach seinem inneren Wert zu schätzen, und dass es neben dir noch manche Andere gibt, die davon nicht weniger haben, weil sie gefällige Manieren damit verbinden. Das beste Mittel, dich auf der Stelle geltend zu machen, ist, dich an diese anzuschließen, und dabei deine Stellung so zu nehmen, dass du immer aus der Schussweite der Parteien bleibst. Da ich deine Gutmütigkeit kenne, so warne ich dich vor nichts so ernstlich, als vor allem Befassen mit Empfehlungen. Verbinde so viel Bedürftige, als du immer kannst, das heißt, so viel deine Einkünfte und deine Kräfte überhaupt erlauben; aber setze deine Freunde nicht in Kontribution, weil du sie dadurch zu Gegengefälligkeiten berechtigen würdest, die zu sehr unangenehmen Verwickelungen führen könnten. Das große Problem, das du zu lösen hast, besteht, so weit ich diese Region kenne, darin, dass du von Allen abzuhängen scheinest, und immer deine volle Freiheit behauptest. Man nennt den Boden, den du betreten sollst, schlüpfrich; er mag es auch im Ganzen genommen sein. Allein wer in einem natürlichen Gleichgewicht mit sich selbst steht, bewegt sich zuletzt selbst auf einer spiegelglatten Eisfläche mit Leichtigkeit und Anmut; und meiner Mirabella darf ich es zutrauen, dass sie da nicht fallen werde, wo sich so viele Andere vor ihr aufrecht erhalten haben.« Diese Bemerkungen meines Pflegevaters beruhigten mich, indem sie mir zugleich die Vermutung zuführten, dass Alles vorher mit ihm verabredet worden sei. Wenigstens geriet ich auf den Gedanken, dass seine Konnivenz, außer dem pädagogischen Zwecke, den er nicht verhehlte, auch einen politischen haben könnte, da er, seiner Gewohnheit ganz entgegen, in dieser Angelegenheit bei weitem entschlossener war, als ich ihn bei minder wichtigen kennen gelernt hatte. Wie dem aber auch sein mochte, so hatten alle meine Bedenklichkeiten nach dieser Unterredung ein Ende; und vertrauensvoll trat ich meine neue Laufbahn an. Sowohl der Fürst als dessen Gemahlin empfingen mich mit einer