ganze Geschichte hab' ich, der Zeit vorgreifend, an diesem Orte conzentrirt, um nicht auf sie zurückkommen zu dürfen, nachdem wir uns einmal getrennt hatten, und nur neben nicht mit einander gehen konnten. Um eben die Zeit, wo Adelaide sich mit dem Herrn von M.... verband, wurde mir die Stelle einer Gesellschaftsdame bei der jüngsten Tochter unseres Fürsten angetragen, welche damals ein Alter von fünfzehn Jahren erreicht hatte. Dieser Antrag war um so ehrenvoller, weil ich berechtigt war, ihn als das Resultat der guten Meinung zu betrachten, in welche ich mich bei dem Publikum gesetzt hatte. Mehr indessen, als die Ehre, bestimmte mich die Liebenswürdigkeit der jungen Prinzessin, über welche nur Eine Stimme war. Das Einzige, was mich von der Annahme abschrecken konnte, war meine eigene Individualität, die, wie es mir vorkam, sehr schlecht zu den Verhältnissen passte, welche ein Hof in sich selbst zu erzeugen pflegt. Als dieser Punkt zwischen meinem Pflegevater und mir zur Sprache kam, beruhigte mich dieser durch folgende Vorstellungen, die mir immer gegenwärtig geblieben sind: »In dem Leben mit Seinesgleichen,« sagte er, »hat man entweder gar keinen, oder nur einen sehr schwachen Antrieb, die eigene Individualität zu verbergen; und indem man sie mit Unbefangenheit Preis gibt, läuft man beständig Gefahr, dadurch anzustossen, weil jeder einmal die seinige retten will. Nicht so im Umgange mit Vornehmeren. Hier kommt es darauf an, solche Formen zu gewinnen, dass man selbst die kräftigste Individualität rettet, ohne jemals dadurch zu beleidigen. Es ist wahr, dass es Personen gibt, die zuletzt nichts weiter haben, als die Form; allein dies ist nicht sowohl die Wirkung des Hoflebens, als vielmehr die einer ursprünglichen Leerheit, welche sich hinter Repräsentation verkriecht. Wer einmal inneren Gehalt und eigentlichen Kern hat, für den ist das Untergehen in der Form unmöglich; dagegen gewinnt er durch die Form eben das, was der Diamant durch die Politur erhält. Vollendet ist zuletzt doch nur derjenige Mensch, der mit der gefälligsten Form den meisten inneren Gehalt verbindet, den das Individuum erwerben kann. Und gehe von diesem Grundsatz aus, so gibt es für dich, meine liebe Mirabella, keine bessere Schule, als den Hof. In ihr soll dir das Siegel der Vortrefflichkeit aufgedrückt werden; denn in ihr sollst du lernen, wie man, ohne weder seiner Individualität zu entsagen, noch durch dieselbe anzustossen, allen Menschen ohne Ausnahme gebietet. Könnt' ich befürchten, dass du zu lauter Form würdest, so würde ich der Erste sein, der dich von der Annahme des dir gemachten Antrages zurückschreckte; denn nichts ist mir in der Welt so sehr zuwider, als ein