. Auch Herodot unterscheidet sehr die wahren
von den bestochenen Orakeln. In jedem Falle war es eine große Zeit, wo noch
Götter die Weltgeschichte lenkten und darin mitspielten; daher ist Herodot so
poetisch wie Homer. - Gemeine Seelen machen in der Hexen-Geschichte alles zum
Werk der Einbildung. Wer aber viele Hexenprozesse gelesen, findet es unmöglich.
Eine durch Völker und Zeiten reichende Einbildung festgehaltener, nuancierter
Tatsachen ist so unmöglich als die Einbildung einer Nation, dass sie einen Krieg
oder König habe, der nicht ist. Will man die Einbildung als Kopie einer solchen
allgemeinen Einbildung erklären, so hat man das Urbild vorher zu deduzieren.
Meist waren alte, dürftige, einfältige Frauen die Aktricen des Trauerspiels,
mithin gerade am wenigsten fähig der Phantasie; auch malt die Phantasie mehr ins
Große und Verschiedene zu gleich. Hier findet man nur erbärmliche wiederholte
Geschichten der Nachbarschaft - der Buhle, der Teufel, begleitet in gemeiner
Kleidung die Frau zu Fuße auf irgendeinen benachbarten Berg, wo sie Tanz,
bekannte Spielleute, elendes Essen und Trinken, lauter Bekannte aus dem Dorfe
antrifft und nach dem Tanze mit dem Buhlen wieder heimgeht. Die Versammlungen
auf dem Blocksberge können bloß für dessen nächste Anwohnerinnen gelten; aber in
andern Ländern wurde nur der nachbarliche Berg zum Tanzplatz gewählt. Will man
alle Bekenntnisse für Lügengeburten der Folter erklären: so bedenkt man nicht,
dass man in den Prozessen findet, dass sie oft nach der Tortur zwei, drei
unbedeutende Bekenntnisse, die ihnen den Tod nicht ersparten, feierlich und
ängstlich widerriefen; und dass also der halbe Widerruf das halbe Geständnis -
besiegelt, um so mehr, da man in damaligen Zeiten zu religiös dachte, um mit
Lügen auf der Zunge zu sterben.
Die berauschenden Getränke und Salben, womit sie sich sollen in den Traum
vom Blocksberg und dergleichen gezaubert haben, sind nirgends aus den Akten
erweislich oder nach der Physiologie möglich - da es kein Getränk gibt, das
faktisch bestimmte Visionen erschüfe -; und dann, um nur beide zu brauchen,
mussten sie sich ja schon für Hexen halten.«
Glanz äußerte: »Warum gibt es aber jetzt keine mehr? Und warum ist alles so
natürlich und alltäglich dabei zugegangen, wie Sie vorhin selber einräumten?
Doch mach' ich diese Einwürfe gar nicht, Hr. Graf, als wenn ich glaubte, dass Sie
im Ernste jener Meinung wären.«
Klotar versetzte: »Dann verkennen Sie meine Denkweise. Wie? Kann man aus
dem Aussetzen oder Wegbleiben einer Erfahrung, z.B. einer elektrischen, einer
somnambulistischen, auf ihre Unmöglichkeit schließen? Nur aus positiven
Erscheinungen ist zu beweisen; negative sind ein logischer Widerspruch. Kennen
wir die Bedingungen einer Erscheinung? So viele Menschen und Jahre gehen
vorüber, kein