Natur gebrauchen könnten, und da wäre freilich nichts natürlicher, als alle
mögliche Bewegungen des Denkens hervorzubringen und eine Fertigkeit in diesem
Geschäft, so wie eine Leichtigkeit zu erwerben, von Einer zur Andern überzugehen
und sie mannichfach zu verbinden und zu zerlegen. Zu dem Ende müsste man alle
Eindrücke aufmerksam betrachten, das dadurch entstehende Gedankenspiel ebenfalls
genau bemerken, und sollten dadurch abermals neue Gedanken entstehn, auch diesen
zusehn, um so allmählich ihren Mechanismus zu erfahren und durch eine oftmalige
Wiederholung die mit jedem Eindruck beständig verbundnen Bewegungen von den
übrigen unterscheiden und behalten zu lernen. Hätte man dann nur erst einige
Bewegungen, als Buchstaben der Natur, herausgebracht, so würde das Dechiffriren
immer leichter von statten gehen, und die Macht über die Gedankenerzeugung und
Bewegung den Beobachter in Stand setzen, auch ohne vorhergegangenen wirklichen
Eindruck, Naturgedanken hervorzubringen und Naturcompositionen zu entwerfen, und
dann wäre der Endzweck erreicht.
Es ist wohl viel gewagt, sagte ein Anderer, so aus den äußerlichen Kräften
und Erscheinungen der Natur sie zusammen setzen zu wollen, und sie bald für ein
ungeheures Feuer, bald für einen wunderbar gestalteten [B]all, bald für eine
Zweiheit oder Dreiheit, oder für irgend eine andere seltsamliche Kraft
auszugeben. Es wäre denkbarer, dass sie das Erzeugniss eines unbegreiflichen
Einverständnisses unendlich verschiedner Wesen wäre, das wunderbare Band der
Geisterwelt, der Vereinigungs- und Berührungspunkt unzähliger Welten.
Lass es gewagt sein, sprach ein Dritter; je willkührlicher das Netz gewebt
ist, das der kühne Fischer auswirft, desto glücklicher ist der Fang. Man
ermuntre nur jeden, seinen Gang so weit als möglich fortzusetzen, und jeder sei
willkommen, der mit einer neuen Fantasie die Dinge überspinnt. Glaubst du nicht,
dass es gerade die gut ausgeführten Systeme sein werden, aus denen der künftige
Geograph der Natur die Data zu seiner großen Naturkarte nimmt? Sie wird er
vergleichen, und diese Vergleichung wird uns das sonderbare Land erst kennen
lehren. Die Erkenntnis der Natur wird aber noch himmelweit von ihrer Auslegung
verschieden sein. Der eigentliche Chiffrirer wird vielleicht dahin kommen,
mehrere Naturkräfte zugleich zu Hervorbringung herrlicher und nützlicher
Erscheinungen in Bewegung zu setzen, er wird auf der Natur, wie auf einem großen
Instrument fantasiren können, und doch wird er die Natur nicht verstehen. Dies
ist die Gabe des Naturhistorikers, des Zeitensehers, der vertraut mit der
Geschichte der Natur, und bekannt mit der Welt, diesem höheren Schauplatz der
Naturgeschichte, ihre Bedeutungen wahrnimmt und weissagend verkündigt. Noch ist
dieses Gebiet ein unbekanntes, ein heiliges Feld. Nur göttliche Gesandte haben
einzelne Worte dieser höchsten Wissenschaft fallen lassen, und es ist nur zu
verwundern, dass die ahndungsvollen Geister sich diese Ahndung haben entgehn
lassen und die Natur zur einförmigen Maschine, ohne Vorzeit und Zukunft,
erniedrigt haben