unserer Angehörigen, unsers Geschlechts, deren leise
Planmässigkeit wir in den Gedanken einer Vorsehung aufgefasst haben, bekümmern wir
uns so wenig, und lassen sorglos alle Spuren in unserm Gedächtnisse verwischen.
Wie Heiligtümer wird eine weisere Nachkommenschaft jede Nachricht, die von den
Begebenheiten der Vergangenheit handelt, aufsuchen, und selbst das Leben eines
Einzelnen unbedeutenden Mannes wird ihr nicht gleichgültig sein, da gewiss sich
das große Leben seiner Zeitgenossenschaft darin mehr oder weniger spiegelt.
Es ist nur so schlimm, sagte der Graf von Hohenzollern, dass selbst die
Wenigen, die sich der Aufzeichnungen der Taten und Vorfälle ihrer Zeit
unterzogen, nicht über ihr Geschäft nachdachten, und ihren Beobachtungen keine
Vollständigkeit und Ordnung zu geben suchten, sondern nur aufs Geratewohl bei
der Auswahl und Sammlung ihrer Nachrichten verfuhren. Ein jeder wird leicht an
sich bemerken, dass er nur dasjenige deutlich und vollkommen beschreiben kann,
was er genau kennt, dessen Teile, dessen Entstehung und Folge, dessen Zweck und
Gebrauch ihm gegenwärtig sind: denn sonst wird keine Beschreibung, sondern ein
verwirrtes Gemisch von unvollständigen Bemerkungen entstehn. Man lasse ein Kind
eine Maschine, einen Landmann ein Schiff beschreiben, und gewiss wird kein Mensch
aus ihren Worten einigen Nutzen und Unterricht schöpfen können, und so ist es
mit den meisten Geschichtschreibern, die vielleicht fertig genug im Erzählen und
bis zum Überdruss weitschweifig sind, aber doch gerade das Wissenswürdigste
vergessen, dasjenige, was erst die Geschichte zur Geschichte macht, und die
mancherlei Zufälle zu einem angenehmen und lehrreichen Ganzen verbindet. Wenn
ich das alles recht bedenke, so scheint es mir, als wenn ein Geschichtschreiber
notwendig auch ein Dichter sein müsste, denn nur die Dichter mögen sich auf jene
Kunst, Begebenheiten schicklich zu verknüpfen, verstehen. In ihren Erzählungen
und Fabeln habe ich mit stillem Vergnügen ihr zartes Gefühl für den
geheimnisvollen Geist des Lebens bemerkt. Es ist mehr Wahrheit in ihren
Märchen, als in gelehrten Chroniken. Sind auch ihre Personen und deren
Schicksale erfunden: so ist doch der Sinn, in dem sie erfunden sind, wahrhaft
und natürlich. Es ist für unsern Genuss und unsere Belehrung gewissermaßen
einerlei, ob die Personen, in deren Schicksalen wir den unsrigen nachspüren,
wirklich einmal lebten, oder nicht. Wir verlangen nach der Anschauung der großen
einfachen Seele der Zeiterscheinungen, und finden wir diesen Wunsch gewährt, so
kümmern wir uns nicht um die zufällige Existenz ihrer äußern Figuren.
Auch ich bin den Dichtern, sagte der Alte, von jeher deshalb zugetan
gewesen. Das Leben und die Welt ist mir klarer und anschaulicher durch sie
geworden. Es dünkte mich, sie müssten befreundet mit den scharfen Geistern des
Lichtes sein, die alle Naturen durchdringen und sondern, und einen
eigentümlichen, zartgefärbten Schleier über jede verbreiten. Meine eigene Natur
fühlte