' ich aus dem
schmeichelnden Ton, dass sie mich nicht von den Männern ausnimmt, die der
Schmeichelei bedürfen. Ich verlange das auch gar nicht. Es wäre unbillig zu
fordern, dass sie meinen Wert auf unsre Weise anerkennen soll. Genug, dass eine
mich ganz kennt! - Sie erkennt ihn ja auf ihre Art so schön! - Sollte sie wohl
wissen, was Anbetung ist? Ich zweifle daran und bedaure sie, wenn sie es nicht
weiß. Du nicht auch?
Heute fand ich in einem französischen Buche von zwei Liebenden den Ausdruck:
»Sie waren einer dem andern das Universum« -
Wie fiel mir's auf, rührend und zum Lächeln, dass, was da so gedankenlos
stand, bloß als eine Figur der Übertreibung, in uns buchstäblich wahr geworden
sei!
Eigentlich ist's zwar auch für so eine französische Passion buchstäblich
wahr. Sie finden das Universum einer in dem andern, weil sie den Sinn für alles
andre verlieren.
Nicht so wir. Alles, was wir sonst liebten, lieben wir nun noch wärmer. Der
Sinn für die Welt ist uns erst recht aufgegangen. Du hast durch mich die
Unendlichkeit des menschlichen Geistes kennen gelernt, und ich habe durch dich
die Ehe und das Leben begriffen, und die Herrlichkeit aller Dinge.
Alles ist beseelt für mich, spricht zu mir und alles ist heilig. Wenn man
sich so liebt wie wir, kehrt auch die Natur im Menschen zu ihrer ursprünglichen
Göttlichkeit zurück. Die Wollust wird in der einsamen Umarmung der Liebenden
wieder, was sie im großen Ganzen ist - das heiligste Wunder der Natur; und was
für andre nur etwas ist, dessen sie sich mit Recht schämen müssen, wird für uns
wieder, was es an und für sich ist, das reine Feuer der edelsten Lebenskraft.
Drei Dinge wird unser Kind gewiss haben: viel Mutwillen, ein ernsthaftes Gesicht
und etwas Anlage zur Kunst. Alles andre erwarte ich mit stiller Ergebung. Sohn
oder Tochter, darüber kann ich keinen bestimmten Wunsch haben. Aber über die
Erziehung habe ich schon unsäglich viel gedacht, nämlich, wie wir unser Kind vor
aller Erziehung sorgfältig bewahren wollen; vielleicht mehr als drei vernünftige
Väter denken und sorgen, um ihre Nachkommenschaft gleich von der Wiege in lauter
Sittlichkeit einzuschnüren.
Ich habe einige Entwürfe gemacht, die dir gefallen werden. Auf dich ist sehr
dabei gerechnet. Nur musst du die Kunst nicht vernachlässigen! - Würdest du für
deine Tochter, wenn es eine Tochter wäre, lieber das Portrait oder die
Landschaft wählen? -
Du Törin mit deinen äußerlichen Dingen! Du willst wissen, was mich umgibt,
wo, wann und wie ich alles tue, lebe und bin? - Sieh doch um dich, auf