Renot hinzu, »durch alles, was er bisher getan, sich als einen
treuen Schüler des kühnen, gefährlichen Mannes gezeigt? Und wissen Sie nicht,
dass Ihr Neffe, seitdem die Revolution ausgebrochen ist, in einem beständigen
Briefwechsel mit den Parisern steht? und ist es nicht klar, dass er bei seinem
Aufenthalt in Paris sich mit diesen gefährlichen Menschen in Verbindung
eingelassen hat?«
Renot war jetzt Ernstens gefährlichster Verleumder. So wie er hier sprach,
äußerte er sich gegen jedermann, besonders gegen den Adel. Er hatte dabei einen
doppelten Zweck: er befriedigte seine Eitelkeit und seinen Hass. Ihn drückte
Ernstens Wohltat, und nie konnte er diesem die Art, sie zu erweisen, vergeben.
Und dadurch, dass er so heftig die Partei des Adels nahm, gab er sich das
Ansehen, als gehöre er ihm zu; er war nicht der einzige, der sich aus diesem
Grunde zu dessen Verteidigern schlug.
Ernstens Korrespondenz nach Paris wusste der Präsident und jeder. Von dem
ersten Augenblicke an, da die Revolution ausbrach, bemühte sich Ernst, durch
seine dortigen Bekannten genaue Nachrichten zu erhalten, weil er in einer so
wichtigen Sache nicht einseitig urteilen wollte, weil er bei der Wendung, welche
die Sache nahm, sehr bald einsah, dass sie für einen denkenden Geist ein ebenso
unterrichtendes Schauspiel werden müsste als sie für das Herz empörend wäre. Und
da dieses Schauspiel immer wilder und grässlicher ward und nun hin und wieder ein
Lichtstrahl dieses drohende, finstre Chaos erleuchtete, so deuchte ihn, das
menschliche Geschlecht sitze auf diesem Punkte der Erde über sich selbst zu
Gerichte, um sich in der größten Angelegenheit, die seine Geschichte aufweist,
das Urteil zu sprechen. Er bebte vor dem Endausspruch.
Der Präsident freute sich über Renots Mitteilung, und bald sah man durch
beider Bemühen alles, was Ernst getan und gesprochen hatte, in diesem
Gesichtspunkt an. Nun hoffte der Präsident, allen ferneren Unternehmungen seines
Neffen und hauptsächlich dem Durchsetzen des ihm verhassten Plans auf immer
Einhalt tun zu können. Ernstens Verleumder fanden leicht Eingang; denn die
Menschen glauben gerne alles Nachteilige von dem Manne, den sie hassen. Und sei
es auch noch so ungereimt, sei man auch noch so sehr vom Gegenteil überzeugt,
genug, es schadet; und das, was die Bosheit ersonnen hat, breitet die
Geschwätzigkeit gern weiter aus. Der Ruf, in welchen der Adel und die
Gutsbesitzer Ernsten brachten, wurde noch dadurch verstärkt, dass die Bürger und
alle die, welche so dachten, wie man von ihm vorgab, sich mehr an ihn schlossen
und ihn in eben dem Masse erhoben, in welchem die andern ihn heruntersetzten. Als
aber die Anklagen und Verfolgungen angingen, suchten auch diese ihre Sicherheit
in