der
Ausdruck des Verhältnisses, in welchem jede Temperatur und Saitenzahl
irgendeiner gegebenen Äolsharfe mit der Partitur der unendlichen Sphärenmusik
steht, der sie nachzuklingen hat. Jedes Gewebe menschlicher Kräfte gibt nur eine
Manier, und höhere Geister würden in Homer und Goethe wenigstens die menschliche
finden; ja die höhere Engel-Hierarchie fände die niedere manieriert, der Seraph
den Engel der Gemeine. Da ich aber nicht einmal ein gewöhnlicher Engel bin -
geschweige ein Seraph -: so würde ein anderer Rezensent als der, der mich
beurteilen wird, sogleich von vorne vorausgesetzt haben, dass ich eine Manier
haben würde. - Und diese hab' ich offenbar. - Aber noch mehr: da der Grad und
das Verhältnis unserer Kräfte sich von Jahr zu Jahr verwandelt - und mithin auch
die Frucht und der Ertrag derselben, die Manier -: so wirft leider gewöhnlich
die Manier des funfzigsten Jahrs sich zum Korrektor der Manier des
fünfundzwanzigsten auf; oder vielmehr, es geht eine heterogene Einkindschaft von
Kindern zweier Ehen vor, bei welcher beide verlieren. Ein solches
Simultan-Hysteronproteron ist noch ärger, als wenn man die griechischen Statuen
aus dem einen Winkelmannschen Kunstzeitalter nach den Statuen aus einem andern
behacken und zuschleifen wollte. Giesse lieber ein reines flüssiges Werk in deine
jetzige Form, und treibe nicht erst das gegossene erhartete darein! - Gesetzt
auch, ich würde künftig klüger und anders, niemals würd' ich den Greis auf den
Jüngling pfropfen.
Der Mensch hält sich im Konzertsaal des Universums, wenn nicht für den
Solospieler, doch für ein Instrument darin - anstatt für einen einzigen Ton -,
wie denn der Fürst sich für ein Oberons- oder doch Parforcehorn ansieht - der
Poet für ein Haberrohr - der Autor für ein Setzinstrument102 - der Papst für das
Orgelwerk - die Schöne für Bestelmeiers Handstahlharmonika oder für eine
Wachtelpfeife - mein Rezensent für eine Stimmpfeife - und ich mich selber für
Mälzels großes Panharmonikon. Aber wir alle sind nur Töne, wie in Potemkins
Orchester jede der 60 metallenen Flöten nur einen Ton angab. Daher bin ich über
jede Individualität, über jede Manier als über einen neuen Halbton in der
Kirchenmusik der Wesen froh.
Drittens weiß ich nichts, woraus ich meines künftigen Rezensenten
Verlegenheit um sündige Materie zum Tadeln besser sehen kann, als dieses, dass er
sich an solche jämmerliche Kleinigkeiten hält - in Zukunft -, wie folgende
augenscheinlich sind, dass ich z.B. diese Vorrede beigefügt, dass ich das Werklein
in vier Hefte auseinandergebunden und durch dieses vierte Heft einem frühern
Besitzer und Bücherwurm den Bogenwurm103 der alten Ausgabe ganz unbrauchbar
gemacht. Aus dergleichen Proben und Sprüchen, womit mir ein solcher spartischer
Ephorus Emerepes die vierte und höchste Saite nehmen will, die ich auf meiner
Geige voll steigender Quinten aufziehe, mache sich der