Minister und sogar oft an Matthieu wahrnahm, konnt'
er niemals recht oder lange nachmachen; er war zufrieden, dass er eine höhere in
seinem, Innern hatte, und fand es fast lächerlich, auf der Erde ernstaft zu
sein, und zu gering, stolz auszusehen. Vielleicht konnten sich eben darum Viktor
und Schleunes nicht leiden; ein Mensch von Talenten und ein Bürger von Talenten
hassen einander gegenseitig.
Eh' ich dem Apotheker erlaube, alle Fäden des Schleunesschen
Kanker-Gespinstes vorzuzeichnen: will ich nur erklären, warum Zeusel hierüber so
allwissend war, und doch Viktor so blind. Dieser aber war es, weil er sich unter
seinen Freuden auf das Erraten gleichgültiger oder schlimmer Leute gar nicht
legte; er schwebte überhaupt wie ein Paradiesvogel immer in der Himmelluft, vom
Schmutzboden abgetrennt, und flog, wie alle Paradiesvögel, der losen Federn
wegen immer gegen den Wind; daher bekam er, aus Mangel an Verbindungen, die
mündlichen Hofzeitungen erst, wenn alle Heiducken, die Lakaien der Pagen und die
Einheizer sie schon schwarz gelesen hatten; - oft gar nicht. - Der Apotheker ist
im entgegengesetzten Falle, weiler zwar die schlechten Augen, aber auch die
guten Ohren eines Maulwurfs hat, und weil in der camera obscura seines
ähnlichern Herzens sich leichter die Bilder der verwandten Kniffe malen; noch
dazu setzt er zwei lange Hörröhre - zwei Töchter - an die Kabinette oder
vielmehr an ihre Liebhaber an, die daraus kommen, und horcht durch die Röhre
manches weg, was ich in dieser Lebensbeschreibung recht herrlich schon im
dritten Heftlein nutzen kann. Es gibt Menschen - der war so -, die nur
Nachrichten, ohne Interesse für den Inhalt, erhetzen wollen und Personalien ohne
Realien, und die alle große Gelehrte, aber keine Gelehrsamkeit - alle große
Staatsmänner, aber keine Politik - alle Generale, ohne Liebe zum Kriege - zu
kennen suchen persönlich und schriftlich.
Es kann sein, dass mancher feine Leser schon aus dem vorigen von dem, was
Zeusel jetzt entdecken will, Wind hat. Ich gebe des Apotekers Darstellung in
folgender verjüngten:
»Der Minister habe den Fürsten sonst niemals in sein Interesse ziehen
können, selten in sein Haus; zwar hab' er zuweilen eine Tochter, die ihm
gefallen konnte, zu vermählen nicht unterlassen; aber entweder das verschiedene
Interesse des Tochtermanns war allemal dem seinigen ungünstig, oder auch der
Einfluss Sr. Herrlichkeit (des Lords). Daher sei er mehr zu entschuldigen als zu
verdammen, dass er die Partei des Schwächern ergriffen, nämlich die der
verlassenen Fürstin, die doch allemal etwas sei, und welche ihre italienischen
Künste vielleicht nur noch verdecke. Im ganzen genommen sei es also nicht
unrecht, dass man die Fürstin, die viel Temperament habe, durch