leben wir vielleicht auf einer unterhaltenden
abwechselnden Maskerade, auf der sich der am besten gefällt, der am
unkenntlichsten bleibt, und lustig ist es, wenn selbst die Maskenhändler, unsere
Geistlichen und unsere Lehrer, von ihren eigenen Larven hintergangen werden.
Zwei Jahre nachher.
Gottlob! dass ich endlich von meinen lästigen Lehrern befreit bin! Nichts als
Worte und Phrasen! Ich habe bei diesem Unterricht nur die Menschen
kennengelernt, die ihn mir erteilten, die so schwach und blöde waren, dass sie es
gar nicht bemerkten, wie sie von mir und meinem Eigensinne abhingen.
Nichts kann mich so sehr aufbringen, als die Unbeholfenheit im Menschen, jene
Blindheit, in der sie nicht sehen, welche Talente zu ihrem Gebote stehen, und
wie Fremde ihnen plötzlich Zügel und Gebiss anlegen, und aus einem freien Tiere
ein dienstbares machen. Durch ein paar unbesonnene Streiche ist der Kammerdiener
meines Vaters, der sonst ein gescheiter Mensch ist, so in mein Interesse
verwickelt, dass er es jetzt gar nicht wagt, ehrlich oder gegen mich zu handeln.
Der Verwalter ist der guterzigste Narr von der Welt, aber er hält mich für
einen noch größeren, und dadurch habe ich sein unbedingtes Zutrauen gewonnen.
In der Sprache muss man sich gewisse Worte und Redensarten merken, die wie
Zaubergesänge dazu dienen, eine gewisse Gattung von Leuten einzuschläfern. Auf
jeden Menschen wirken Worte, nur muss man ihn etwas kennen, damit man die rechten
nimmt, um sein Ohr zu bezaubern. Der Verwalter hört gern von Ehrlichkeit der
Menschen reden, er liebt es, wenn man auf die Niederträchtigen schimpft; wenn
ich dies tue, und die Worte mit einer gewissen Hitze ausspreche, so weiß er sich
vor Freuden nicht zu lassen, und drückt mir in seinem Entzücken die Hände. Auf
diese Art muss man den Schatz unserer Sprache studieren, um die wahre Art zu
sprechen zu finden. Es fällt mir immer ein, dass die Menschen offenbar Narren
sind, die so reden wollen, wie sie denken, die ganze Welt dadurch beleidigen,
und sich nur Schaden stiften. Ich denke für mich und spreche für die andern,
folglich muss ich nur sagen, was diese gern hören. Es wird auch niemand erwarten,
dass ich die sogenannte Wahrheit rede, so wenig wie ich es von einem andern
fordere, denn sonst müsste ich nie jemanden etwas Schmeichelhaftes sagen, so
wenig wie ich von irgendeinem ein Kompliment bekommen würde. Die Sprache ist nur
dazu erfunden, um etwas zu sagen, was man nicht denkt; und wie selten denkt man
selbst ohne zu lügen!
Die sogenannten Wahrheitsfreunde sind daher Menschen, die ausgemachte Toren
sind, die selbst nicht wissen, was sie wollen, oder sie sind eine andere Art von
Lügnern.