edlen Gegenständen, in dem
Umgange mit guten Menschen aufgewachsen, haben ihn seine Meister das gelehrt,
was er zuerst wissen musste, um das übrige leichter zu begreifen, hat er gelernt,
was er nie zu verlernen braucht, wurden seine ersten Handlungen so geleitet, dass
er das Gute künftig leichter und bequemer vollbringen kann, ohne sich irgend
etwas abgewöhnen zu müssen, so wird dieser Mensch ein reineres, vollkommneres
und glücklicheres Leben führen als ein anderer, der seine ersten Jugendkräfte im
Widerstand und im Irrtum zugesetzt hat. Es wird so viel von Erziehung gesprochen
und geschrieben, und ich sehe nur wenig Menschen, die den einfachen, aber großen
Begriff, der alles andere in sich schließt, fassen und in die Ausführung
übertragen können.«
»Das mag wohl wahr sein«, sagte Wilhelm, »denn jeder Mensch ist beschränkt
genug, den andern zu seinem Ebenbild erziehen zu wollen. Glücklich sind
diejenigen daher, deren sich das Schicksal annimmt, das jeden nach seiner Weise
erzieht.«
»Das Schicksal«, versetzte lächelnd der andere, »ist ein vornehmer, aber
teurer Hofmeister. Ich würde mich immer lieber an die Vernunft eines
menschlichen Meisters halten. Das Schicksal, für dessen Weisheit ich alle
Ehrfurcht trage, mag an dem Zufall, durch den es wirkt, ein sehr ungelenkes
Organ haben. Denn selten scheint dieser genau und rein auszuführen, was jenes
beschlossen hatte.«
»Sie scheinen einen sehr sonderbaren Gedanken auszusprechen«, versetzte
Wilhelm.
»Mitnichten! Das meiste, was in der Welt begegnet, rechtfertigt meine
Meinung. Zeigen viele Begebenheiten im Anfange nicht einen großen Sinn, und
gehen die meisten nicht auf etwas Albernes hinaus?«
»Sie wollen scherzen.«
»Und ist es nicht«, fuhr der andere fort, »mit dem, was einzelnen Menschen
begegnet, ebenso? Gesetzt, das Schicksal hätte einen zu einem guten Schauspieler
bestimmt (und warum sollt' es uns nicht auch mit guten Schauspielern
versorgen?), unglücklicherweise führte der Zufall aber den jungen Mann in ein
Puppenspiel, wo er sich früh nicht enthalten konnte, an etwas Abgeschmacktem
teilzunehmen etwas Albernes leidlich, wohl gar interessant zu finden, und so die
jugendlichen Eindrücke, welche nie verlöschen, denen wir eine gewisse
Anhänglichkeit nie entziehen können, von einer falschen Seite zu empfangen.«
»Wie kommen Sie aufs Puppenspiel?« fiel ihm Wilhelm mit einiger Bestürzung
ein.
»Es war nur ein willkürliches Beispiel; wenn es Ihnen nicht gefällt, so
nehmen wir ein andres. Gesetzt, das Schicksal hätte einen zu einem großen Maler
bestimmt, und dem Zufall beliebte es, seine Jugend in schmutzige Hütten, Ställe
und Scheunen zu verstoßen, glauben Sie, dass ein solcher Mann sich jemals