dass Du
mich verstehen mögest. Ich weiß nicht, wie es in fremden Ländern ist, aber in
Deutschland ist nur dem Edelmann eine gewisse allgemeine, wenn ich sagen darf,
personelle Ausbildung möglich. Ein Bürger kann sich Verdienst erwerben und zur
höchsten Not seinen Geist ausbilden; seine Persönlichkeit geht aber verloren, er
mag sich stellen, wie er will. Indem es dem Edelmann, der mit den Vornehmsten
umgeht, zur Pflicht wird, sich selbst einen vornehmen Anstand zu geben, indem
dieser Anstand, da ihm weder Tür noch Tor verschlossen ist, zu einem freien
Anstand wird, da er mit seiner Figur, mit seiner Person, es sei bei Hofe oder
bei der Armee, bezahlen muss, so hat er Ursache, etwas auf sie zu halten und zu
zeigen, dass er etwas auf sie hält. Eine gewisse feierliche Grazie bei
gewöhnlichen Dingen, eine Art von leichtsinniger Zierlichkeit bei ernstaften
und wichtigen kleidet ihn wohl, weil er sehen lässt, dass er überall im
Gleichgewicht steht. Er ist eine öffentliche Person, und je ausgebildeter seine
Bewegungen, je sonorer seine Stimme, je gehaltner und gemessener sein ganzes
Wesen ist, desto vollkommener ist er. Wenn er gegen Hohe und Niedre, gegen
Freunde und Verwandte immer ebenderselbe bleibt, so ist nichts an ihm
auszusetzen, man darf ihn nicht anders wünschen. Er sei kalt, aber verständig;
verstellt, aber klug. Wenn er sich äußerlich in jedem Momente seines Lebens zu
beherrschen weiß, so hat niemand eine weitere Forderung an ihn zu machen, und
alles übrige, was er an und um sich hat, Fähigkeit, Talent, Reichtum, alles
scheinen nur Zugaben zu sein.
Nun denke Dir irgendeinen Bürger, der an jene Vorzüge nur einigen Anspruch
zu machen gedächte; durchaus muss es ihm misslingen, und er müsste desto
unglücklicher werden, je mehr sein Naturell ihm zu jener Art zu sein Fähigkeit
und Trieb gegeben hätte.
Wenn der Edelmann im gemeinen Leben gar keine Grenzen kennt, wenn man aus
ihm Könige oder königähnliche Figuren erschaffen kann, so darf er überall mit
einem stillen Bewusstsein vor seinesgleichen treten; er darf überall vorwärts
dringen, anstatt dass dem Bürger nichts besser ansteht, als das reine, stille
Gefühl der Grenzlinie, die ihm gezogen ist. Er darf nicht fragen Was bist du?,
sondern nur Was hast du? welche Einsicht, welche Kenntnis, welche Fähigkeit,
wieviel Vermögen? Wenn der Edelmann durch die Darstellung seiner Person alles
gibt, so gibt der Bürger durch seine Persönlichkeit nichts und soll nichts
geben. Jener darf und soll scheinen; dieser soll nur sein, und was er scheinen
will, ist lächerlich oder abgeschmackt. Jener soll tun und wirken, dieser soll
leisten und schaffen; er soll