davon weggetan.
Ich hab' oft darüber nachgedacht, warum tuns die Großen und machen sich zu
Kleinen im physischen Sinn; aber ich war zu unwissend, andre Gründe zu erraten
als folgende: der Sitz des Zorns (wofür nach Winckelmann die Griechen die
menschliche Nase hielten) kann nicht bald genug ausgerottet werden, weil weder
ein Hofmann noch ein Christ Zorn beweisen soll. - Zweitens: verkleinerte Körper
sind wenig von bucklichten, auch in der Größe, verschieden; diese aber, wie wir
an Äsop, Pope, Scarron, Lichtenberg und Mendelssohn sehen, haben viel Witz. Nun
zieht der Weltmann aus den starken Fässern unserer Vorfahren geschickt den
Spiritus auf kleine Körper- und solche Einschnitte und optische Verkürzungen und
Kuren des Leibes machen unfähig, etwas anders zu werden als witzig oder
höchstens stupid: so kann eine Flöte, in die Risse kamen, keine andre Töne von
sich geben als feine und hohe. Witz wird aber bekanntlich in der großen Welt,
wenn nicht mehr, doch ebensoviel geschätzt wie Unmoralität. - Drittens: wie die
alten Patriarchen darum ein langes Leben bekamen, um die Erde zu bevölkern, so
haben sich viele Kosmopoliten in der nämlichen Absicht ein kurzes vorgenommen
und gern das Leben von andern Menschen mit einem Curtius-Sturz in den tödlichen
Schlund erkauft. Es ist aber noch die Frage, ob ich recht habe. - Die vierte
Ursache kenn' ich aus geheimen mystischen Gesellschaften, wo eben jene
Menschen-Segmente sie kennen lernten. Heutiges Tages muss jede Seele von - Stand
desorganisiert und entkörpert werden. Hier hat man nun nicht mehr als zwei ganz
verschiedene Operationen. Die kürzeste und schlechteste meines Erachtens ist die,
dass sich der Mensch - aufhenkt und dass so die Seele den Körper von sich wie eine
Warze abbindet. Ich wurde keinen Großen deshalb tadeln, wenn ich nicht wüsste,
dass er die weit bessere und sanftere Operation vor sich habe, wodurch er seinen
Leib gleichsam als die Form, worein die geistige Statue gegossen ist, bloß
gliedweise ablösen kann. Ich will hier nicht in den Fehler der Kürze, sondern
lieber in den entgegengesetzten fallen. Also: der Körper ist nach Philosophen,
die auch eine Seele haben, bloß ein Werkzeug, ihre und unsre auszubilden und sie
an die Entbehrung dieses Werkzeugs zu gewöhnen. Die Seele muss alle Fäden, die
sie an den Klumpen schnüren, nach und nach zerfressen und abbeissen. Er ist ihr
das, was den Kindern, die schwimmen lernen, der korkene Kürass2 ist: täglich muss
sie diesen Kürass zu verkleinern suchen, um endlich ohne ihn zu schwimmen. Der
philosophische Mann von Welt und das Mitglied geheimer desorganisierender
Unionen schafft also von diesem Schwimm-Panzer anfangs nur das Fleisch an Beinen
und Backenknochen beiseite.