Unschuld in Lagen von
einer solchen schrecklichen Art fallen, glaubte Michael zu seiner Ehre, auch die
allerschrecklichste sei nicht schrecklich genug, den Menschen seiner Bestimmung
unwert zu machen und ihn zu entwürdigen. - Ich bin, so war ungefähr seine
Exception, weder unsinnig, noch ist mir das Schelmstück eingefallen, mich so zu
stellen; doch gibt es Fälle, in denen der Verstand sich auf eine Art zeigt, dass
man in die Versuchung geraten könnte zu wünschen, man hätte keinen; oder Fälle,
wo jemand, der den Verstand nicht verliert, keinen zu verlieren hat. Die leichte
natürliche Art, womit der Kläger die unzubescheltendsten Umstände eines Vorgangs
benutzt, zeigt seine Anlage, Interesse in die gemeinste Sache zu bringen und
durch Feinheit und anschauliche Harmonie den gewöhnlichsten Dingen zu einer
Wirkung zu verhelfen, welche Teilnahme, ohne ihrer wert zu sein, nicht
erbittet, sondern fordert - nicht erfleht, sondern erzwingt. Entkünstelt und
entkleidet man die Klage; ist wohl das, was der Kläger will, dem, warum er es
will, angemessen? Er verliert einen Brief von ungefähr, oder mit Fleiß. - Wenn
ich den Ort, wo ich ihn fand, in Erwägung ziehe, ist es fast zweifellos, er
wollte ihn verlieren. Frei bekenn' ich, den Inhalt des Briefes nicht verstanden
zu haben. Auch habe ich Ursache zu befürchten, mein Herr sei nicht glücklicher
gewesen als ich. Stand der Name des Klägers auf diesem Briefe? War ich gebunden,
unter Aeiou den Geist- und Weltlichen zu suchen und zu finden, Hieroglyphen zu
enträtseln? Wunderdinge zu entwundern? Gab mir nicht diese auf List und Trug
auslaufende Manier vielmehr das Recht, mit diesem Zettel zu machen, was ich
wollte? Aus den fünf Vokalen lässt sich auf einen geheimen Staatsfiskal nicht
schließen, obwohl ich den Vokalen hierdurch nicht zu nahe getreten haben will,
mit denen ich es gewisser Ursache halber nicht verderben mag. Hätt' ich den
Brief zerrissen, wär' es ein Mord gewesen? Doch scheint es, mein Herr und ich
werden auf Mord angeklagt. Ich glaube nicht, Kläger könne leugnen zu wissen, wo
mein Herr sich befindet. Ich aber, das weiß Gott am besten, weiß es so wenig in
dem geheimsten Innern meiner Seele, dass ich meine Angabe, es nicht zu wissen,
tausendmal beschwören kann. Nur wenn der Tod meines armen Herrn bekannt
geworden, und selbst dann nicht, könnte man diese Gewalttätigkeit an seinen
Sachen sich erlauben, wenn man nicht heilige Rechte des Eigentums aufheben
will. Mein Herr ist ein Mann von Ehre und Nachdruck, seine Mutter eine der
ersten Damen in - - -. Ohne an ihre herrlichen Güter und an das irdische und
himmlische Jerusalem zu