' es im hitzigen Fieber der Anfechtung in Segen gebraucht. Wenn die Verdammten in der Hölle singen könnten - wären sie nicht aus aller Not? und dürften sie wohl einen Tropfen Wasser zur Zungenkühlung erbetteln? Würden nicht vielmehr Harmonie und Takt unter ihnen sein, da sie jetzt sich unter einander vertragen wie Katzen und Hunde? - Ist je Sonntagskindern der Vorschmack der künftigen Welt beschieden, und können sie hoffen, über ihren künftigen Aufenthalt und ihre künftige Beschäftigung von vollendeten Seelen sub rosa Nachricht einzuziehen, so wird der Gesang das Mittel sein, Erscheinungen der Geister zu bewirken: nicht der schwarzen, sondern der weißen; nicht der bösen, sondern der guten. Alle gute Geister loben Gott den Herrn, und singen; alle böse Geister loben Gott den Herrn, und zittern. Tugend und Gesang verbinden diese Welt mit der künftigen - so dass sie in einander verschmelzen, man weiß nicht wie. Leider! waren von Anbeginn Wortstreit und Hahnengefechte, wenngleich bei einem Seelenduell kein Blut, sondern Gedanken fließen. - Obstat, quidquid non adjuvat. - Es gibt nur Einen Verstand. Alle Menschen würden Eins sein, wenn die Worte nicht so oft Streit suchten, und Parteigänger, Volontärs und was weiß ich was mehr wären. - Einige unter den Wörtern sind bekanntlich so ungeschliffen, dass sie es recht darauf anlegen, Händel zu machen. Die Poesie gibt ihnen Anstand, Erziehung und Politur; sie lehrt sie, sich in Zeit und Umstände schicken. Jene Antwort: »Etwas, das du nicht zu wissen brauchst,« auf die unbescheidene Frage: »was trägst du da unter dem Mantel?« sollten sich die Menschen merken, da sie fast alles, was sie glauben - und das ist doch bei weitem der größte Teil von dem, was sie zu wissen vorgeben, oder zu wissen sich einbilden - unter dem Mantel tragen. Man lasse doch jeden so viele Worte tragen, als er nur unter seinem Mantel beherbergen kann, und zwinge die Träger so wenig, diesen Wortkram zu enthüllen, als uns andere, uns mit Mänteln und einer solchen Wörterlast zu behängen - falls wir selbst nicht wollen. - Des Menschen Wille ist sein Himmelreich. - Doch um wieder zur Poesie einzulenken, bei der man nur zu leicht Absprünge machen kann, so trete ich dem hohen Praesidio vollständig bei, dass die gegenwärtige mit Erbsünde beladene Poesie im Paradiese nicht im Schwange gewesen. Lebhaft kann ich mir vorstellen, dass die damalige Prosa so ein englisches liebliches Wesen an sich hatte, dass es, wenn ich so sagen soll, Poesie ohne Dichtung war. Merkt euch dies, ihr guten Dichter, und legt nicht zu viel Gewürz an natürliche Kost; denn in Wahrheit, das setzt kein gutes