erkennen, was sie sind. Ach, die Bedürfnisse Deiner Sinne, die Täuschungen Deiner Sinne - glaube mir, Allwill - (schwindender Atem meiner Brust, komm, sammle dich, dass meine Stimme weniger bebe, und ihr kranker Laut ihn erreiche) - Allwill, es sind Mörder! - Hie und da her wird es Dir immer grässlicher in die Ohren gellen: Mörder! - - Meuchelmörder! So manches Unheil, so unsäglicher Jammer allein in diesem Bezirk der Menschheit durch Sie angerichtet, würde Ihnen die Nichtigkeit Ihres Systems hinlänglich blossstellen, wenn es nicht ausdrücklich erfunden wäre, um Sie gegen dergleichen Ansichten zu erblinden. Da soll nun eine Menge herrlicher Empfindungen, welche sich anders nicht erwarten und zusammenbringen ließ, alles Böse mit Wucher ersetzen, und dieser innere Genuss alle seine Kosten aufwiegen. Hiebei fällt mir ein, was ich Sie so oft vom Wissen sagen hörte. Sie verglichen den großen Haufen unsrer Studierenden mit Leuten, die gar emsig hin und her liefen, um zu suchen - was sie nicht verloren hätten, wessen sie auch weiter nicht bedurften. Es sei eine Schande für den menschlichen Verstand, behaupteten Sie, dass wir Wissenschaft von Tag zu Tage mehr zu einem abgesonderten, absoluten Dinge machten, da sie doch von bestimmten Zwecken allein Ursprung und Wesen habe; nur Bescheid auf eine dringende Frage sei, wie diesem oder jenem Bedürfnis abzuhelfen; Baugerüste, Maschine, Instrument. - Ich fand und finde noch das so wahr, dass man sich nicht bekümmern sollte etwas zu wissen, als nur - wie sich etwas mache oder tue, das einem not ist; belachte gern mit Ihnen die Torheit alles müßigen Lernens und Spekulierens. Aber sagen Sie mir, lieber Eduard, ist es eine reellere Sache um das müßige Sammeln von Empfindungen, um das Bestreben, Empfindungen - zu empfinden, Gefühle - zu fühlen; findet nicht hier eine ebenso ungereimte Absondrung statt, wie dort beim Wissen? Ich glaube, wer eine schöne große Seele in der Tat besitzet, hält sich nicht damit auf, die Empfindungen, welche seine Handlungen betreiben, die entzückenden Gefühle, welche sie begleiten, auf solche Weise abzusondern; wird sich ihrer nie dergestalt bewusst, dass er sie in Ideen aufbewahren, und aus derselben Betrachtung einen unabhängigen Genuss sich bereiten könnte; er sagt nicht: es ist Seligkeit in dieser Empfindung, in diesem Gefühl, sondern es ist Seligkeit in dieser Tat. Und das, Lieber, macht die Bahn des Edlen richtig. Vor einigen Monaten starb ein Greis, mit Namen Wigand Erdig; der hatte aus dem elenden Flecken D* eine ansehnliche Stadt voll glücklicher Bürger gemacht. Ich glaube nicht, dass er außer seinem Gewerbe viel mehr als seinen Katechismus wusste; aber sein Gewerbe