die ungereimteste Verwirrung in Ihrem Wesen verursachen, der
gänzlichen Zerrüttung es immer näher bringen. Alle Hände voll, wollen Sie doch
immer noch mehr greifen, und können dann weder fassen noch halten. Überdem soll
jeder Gegenstand des Genusses sich Ihnen noch in jedem andern Gegenstande
vervielfältigen; Sie sind gerade der Mann, über den Sie spotteten, der von einem
Oranienbaum Kastanien, und von einem Kastanienbaum Oranien verlangt; die
leichtfertige Dirne soll auch die hohen Reize, alle Tugenden, die Liebe eines
frommen Mädchens, und das fromme Mädchen hinwiederum, die schnöden
Annehmlichkeiten, die ganze Torheit der leichtfertigen Dirne besitzen; und wenn
dergleichen sich nicht findet, dann ist's eine Not, ein Jammer, dass man
zweifelt, ob auch wohl diese Welt einen Gott zum Urheber haben könne? Und das
heißt denn doch eines Sinnes sein mit Natur! - Allwill! Sie, eines Sinnes mit
Natur? der Sie immerwährend die echtesten Bande der Natur auflösen; wahre, reine
Verhältnisse zerstören, um erträumte, schimärische an die Stelle zu setzen -
dann sich abarbeiten, alle Schwarzkünsteleien zu Hilfe nehmen, um den wankenden
Schatten zu befestigen; und da nichtsdestoweniger die Sonn ihn verrückt, dem
Segenswandel der Sonne fluchen - Sie, eines Sinnes mit Natur? Wenn ich nur etwas
wüsste, das der Natur entgegengesetzter wäre, als jene Unmässigkeit, welche alle
Bedürfnisse vervielfältiget und grenzenlosen Mangel schafft, mit seinen
unendlichen Nöten - Angst, Schmerz, Gevalttätigkeit, Betrog, Arglist und Tücke.
Nur einen flüchtigen Blick auf die Welt - was sie vermindert, verringert, was
den schlechten Bürger gibt und den schlechten Staat, was den Acker verödet und
des Lebens weniger macht überall. - Nichts anders als eben jene Ungenügsamkeit,
jenes blinde Ringen nach allem, jenes Scheidekünsteln an den Dingen, um das
Wesen von der Substanz, und die Wirkung von der Ursache abzulösen, um zu
widernatürlichen Bedürfnissen widernatürliche Mittel zu erfinden. Ich weiß wohl,
dass es wenig fruchtet, dagegen zu predigen; aber dafür zu predigen, die Theorie
der Unmässigkeit, des Lasters, als die einzige Philosophie des Lebens, als den
einzigen Weg zur Glückseligkeit, ja zur höchsten Vortrefflichkeit, anzupreisen:
das wäre, deucht mich, doch wohl das unsinnigste Beginnen, das sich erdenken
ließe, und das böseste.
Ja, Eduard, Theorie der Unmässigkeit, Grundsätze der ausgedehntesten
Schwelgerei, das sind die eigentlichen Namen für das, was Sie mit so vielem
Eifer, mit so ungemeinem Aufwande von Witz, Räsonnement, und dichterischem
Schmuck, an die Stelle der alten Weisheit zu setzen trachten; und das gewiss
nicht auf Anraten Ihres Herzens, das groß und edel ist, sondern Ihrer
Sinnlichkeit zulieb, welche Sie, unter dem Wort Empfindung, so gern mit