einmal erhalten, sind gar keine hier gebräuchlich. Man sucht den Kindern bloß das Gedächtnis durch Auswendiglernen zu überladen, ob sie dann mit oder ohne Gefühl lesen, das ist den Lehrmeisterinnen völlig gleich. - Diese mechanische Lesart erzeugt Dummköpfe, welche in der Zerstreuung hastig und eintönig die schönste Moral hinwegplappern, wobei sie gar nicht denken, und also ihrem Geiste wenig oder gar keine Nahrung dadurch geben können. Wer nicht beim Lesen denken lernt, kann nichts verstehen, und wer nichts versteht, der fühlt auch nichts. - Das laute Vorlesen beschäftigt fast alle Sinnen und gibt jedem eine regelmäßige Richtung. Die Fertigkeit im Lesen, der edle Ausdruk, werden unvermerkt einer solchen Schülerin zur Gewohnheit; da indessen ihr Herz, ihr Verstand, ihr Gefühl, ihre Beurteilungskraft auch unendlich viel dabei gewinnen. - Man lege den jungen Mädchen Fragen über das Vorgelesene vor, damit solche von einer jeden nach ihren Begriffen schriftlich beantwortet werden; und dann wird die Lehrmeisterin entdekken können, wer mit Vorteil gelesen oder zugehört hat. - Diese Art junge Seelen unterhaltend zu bilden, ist die größte Kunst, Menschen leicht denken und schließen zu lehren. - Es gibt auch bei Tische und in den Erholungsstunden so viele nüzliche Unterhaltungen, die den jugendlichen Geist lehrreich und angenehm beschäftigen; aber freilich dazu gehört ein Bischen mehr, als bloß ein weiblicher Klosterkopf, um so eine Unterhaltung zum Nuzzen anzuwenden. Jedes Alter unter denen Kostgängerinnen sollte seine besondere Lehrmeisterin, seinen besonderen Tisch und seine besonderen Zimmer haben. Kinder müssen wieder kindisch und spielend zum Denken und Fühlen angeleitet werden; hingegen Mädchen von gewissen Jahren müssen durch ernstaftere Anweisung, die gerade zu den sich allmählich entwikkelnden Ideen passt, geführt werden. Liebe, Freundschaft, Großmut, Ehestands- und Mutterpflichten, Religion und Lebensart müssen ihnen im reinen Lichte ohne Fantasterei, ohne Vorurteil vorgelegt werden, damit sie untereinander durch solche ungezwungene Unterredungen erhaben denken und handeln lernen. Alle Moral hat für die Jugend ihre Reize, wenn sie ihr sanft und offenherzig genug, so wie es der gütige Schöpfer haben will, ins Herz geprägt wird. - Die Lehrmeisterinnen dürfen an einem Zögling in Rüksicht auf Liebe durchaus keine Verstellung dulden, sie lehrt heucheln, und ist der erste Grund zum Verderben eines jungen Herzens. So bald aber die jungen Mädchen einsehen lernen, dass reine, wahre Liebe nicht sträflich ist, so haben sie sich nicht eines Triebes zu schämen, der öfters bloß aus Zwang ausartet. - Die zu scharfen Verbote einer sinnlosen Lehrerin in Ansehung der Liebe verderben die bessten Herzen. - Ohne Zutrauen gegen ihre strenge Führung folgen dann solche Mädchen heimlich ihren Wünschen, und finden den Weg zum doppelten Laster, zur Lüge, und zur fleischlichen Befriedigung. - Das Verbot macht ihnen