sie her zusammenfällt.
Demetri. Wenn Feuer sich in Luft verwandelt, so entsteht eben ein neues
Ganzes aus Luft und Feuer. Und so sind wir selbst ein Ganzes aus verschiedenen
Elementen, so rein und harmonisch verschmolzen, dass wir in uns bei gesundem
Zustande durch das feinste Bewusstsein nichts unterscheiden.
Wenn nicht jede Art von Element sich selbst regte und bewegte, so würde
jeder Leichnam ewige Mumie sein und der Wind immer von Osten her wehen.
Was den Verstand betrifft, so nimmt Aristoteles selbst, wie Plato, nach dem
Anaxagoras, dessen Meinung ich freilich nach meinem eignen Begriff erklärte,
eine eigne Materie für den Verstand an und unterscheidet sie von aller andern,
und sogar von der Seele, die, wie er sagt, im ganzen Körper sich befindet. Die
Seele des Auges ist das Sehen, die Seele des Ohrs das Hören und so die des
Gefühls das Fühlen. Die Seele des Baums ist, dass er wächst und seine Nahrung mit
den Wurzeln einsaugt. Sie ist in allem Lebendigen dieselbe. Kraft in Ausübung
ist ihm Seele, und kein Körper, kein Element ohne Seele. Aber Verstand hat seine
eigne Natur, behauptet er, die nicht leidet. Das Auge kann verblendet, das Ohr
betäubt werden, der Verstand hingegen von dem tiefsten Denken unbefangen auf das
leichteste übergehen. (Vielleicht nur bei dem Fürsten der Philosophen! Andre
müssen wenigstens ein Schachspiel dazwischensetzen.) Und doch soll derselbe ein
besonder eigen Teilchen, wie er sich ausdrückt, nur der menschlichen Seele sein,
und sagt, diejenigen hätten recht, die ihn darin den Ort der Formen nennten;
Denken, Urteilen wäre Aufnehmung, Schaffung von Formen. Die sinnliche Kraft der
Seele könne nicht ohne Körper bestehen, der Verstand aber davon abgesondert
werden; er sei sich allein Materie. Nur sei er leidend und vergänglich, insofern
er etwas denke und sich an etwas erinnere; gleichsam wie der Sonnenstrahl, wenn
er an den Dingen Farbe wird. Das Denken aber und Erinnern mache sein Wesen nicht
aus; an und für sich selbst denk er nichts, und so sei er unsterblich.
Folglich ist die Seele, als Verstand betrachtet, nur unsterblich, insofern
sie nichts denkt.
Dies ist wohl eine von den schwachen Seiten seines Systems, um den Vorrang
des Menschen vor andern Tieren zu erklären; und hierin weicht er ab vom
Anaxagoras, der seinen Verstand allem Lebendigen zuschreibt.
Wenn der Verstand nur unsterblich ist, insofern er nichts denkt, so ist alle
andre Materie auf eben die Weise unsterblich, nämlich insofern sie außer der
Zusammensetzung gedacht wird; und wenn ich den Verstand auf eine andre Art
erklären kann, so brauch ich keinen Gott, den Knoten des Drama aufzuhauen. Kurz,
es ist ein Schlupfwinkel