mit den Systemen eben wie mit dem menschlichen Leben: Wenns damit vorbei ist, so ists Mühe und Arbeit gewesen. Sagt das nicht die Kritik der Philosophie selbst von allen Systemen? Und der kommt gewiss noch auch, der es von ihr sagt.« »Und die ganz neue Bestimmung der Denkformen, die genaue Bestimmung des Vermögens der Vernunft, die gezogene Grenzlinie, welche das mögliche Wissen von der unerreichbaren Erkenntnis trennt, die einleuchtenden Beweise der Unmöglichkeit, vom Objekte, von dem Dinge an sich irgend etwas zu wissen!« »Und der Widerspruch, dass doch das objektiv-reelle Dasein des Dinges an sich erkennbar sein soll? – Das objektiv-reelle Dasein ist doch wohl irgend etwas. – Apropos! Noch eine Gleichheit zwischen Systemen und Besen. Beide machen oft viel Staub, indem sie den Staub recht sauber abfegen sollen. So ists mit allen Systemen von jeher gewesen, solange die philosophische Welt steht, und wird mit allen künftigen Systemen so sein. Sieh nur recht nach, du wirst es so finden.« »Ich sehe weder aufs Vergangene, noch ins Zukünftige. Ich sehe auf die jetzige Kritik der Philosophie; und die wird unveränderlich wahr bleiben.« »Ich merke, Herr Bruder, du bist wie Oheim Toby Shandy, der auf eine Spalte sah und dabei weder ans Vergangene noch ans Zukünftige dachte. Werde nicht wieder böse über die Vergleichung; Oheim Toby war ein Philosoph, so gut als Aristoteles und ein besserer als du!« – Hier ward das philosophische Gespräch unterbrochen; denn das braunäugige Schätzchen und der Charadenmacher, die ein Stündchen später bestellt waren als der Sekretär, kamen nun auch zum Tee. Die Unterredung ward allgemein und aufgeweckt. Das war sie aber nicht für Anselm, der auch wenig daran Teil nahm. Er entschuldigte sich wegen des Abendessens und empfahl sich; und weil man ihn entbehren konnte, ließ man ihn gehen. Er ging mit großen Schritten auf seinem Zimmer auf und ab und schmollte mit sich selbst, weil er sonst niemand hatte. Er ärgerte sich über des Herrn von Reiteim unphilosophische Denkungsart, der sich sogar an einem Charadenmacher belustigte, und zerbrach sich den Kopf, aus welchen Ursachen dieser philosophische Edelmann bei dieser seiner Denkungsart ihn hätte kommen lassen; denn er hatte bis jetzt nicht anders gedacht, als beide wollten miteinander philosophieren, und Herr von Reiteim wäre von ihm zur kritischen Philosophie bekehret. Zweiundzwanzigster Abschnitt Einige Bemerkungen über Philosophie. Entdeckungen einer Philosophie, die Anselm noch nicht kannte, und deren Folgen Sterne, der große Menschenkenner, macht die Bemerkung: »Dass die feinsten Philosophen den breitesten Verstand haben und ihre Seelen im umgekehrten Verhältnisse mit ihren Untersuchungen stehen.« Dass diese Bemerkung sehr oft richtig ist,