, Personen dieser Art müssten sich viel nach andern richten. Es ist aber in dieser Sinnenwelt wenig Gewissheit; und da Montaigne die Frage aufgeworfen hat, ob nicht vielleicht seine Katze, wenn er mit ihr zu spielen glaube, eigentlich mit ihm spiele, so kann es sich auch wohl treffen, dass die reichen und vornehmen Leute, die sich solche Menschen wie Platter halten, damit sich jemand nach ihnen richten möge, eigentlich sich nach solchen Menschen wie Platter, ohne dass die es merken, richten müssen.
Reisen in die Bäder machten einen wesentlichen Teil von Platters Gewerbe aus. So war er schon seit ein paar Jahren mit reichen kranken Leuten nach Aachen zur Kur gekommen, hatte auch einmal bei Freund Anselm vorgesprochen, wäre auch vielleicht, da er, auf den ersten Wink, an Anselms philosophischen Spekulationen und Disputationen wieder Teil nahm, mit ihm in eine nähere Verbindung gekommen. Aber, wie es denn einige unerklärliche Dinge gibt, Platter hatte eine sonderbare Antipathie gegen Philipp. Es war ihm ängstlich, wenn er den Menschen vor sich sah; und daher kam er nicht weiter in Meister Antons Haus, um so mehr, da er in der Kurzeit eine Menge Gesellschaften hatte und dann bald wieder wegreisete. Da aber, seitdem mit der Zunahme der Industrie der Wohlstand in Deutschland so sehr zugenommen hat, die Kurzeiten, sonderlich in den Bädern, wo hoch gespielt wird, immer früher angehen und später aufhören, so wollte auch Platter schon vorigen Winter in Aachen bleiben, um des vielen Reisens überhoben zu sein. Als ein gesetzter und gefälliger Mensch, hatte er sich dort Umgang in verschiedenen guten und stillen Familien zu verschaffen gewusst, denen er die langen Winterabende kürzer machte und so seine Zeit angenehm verschwinden ließ, bis die Kurzeit wieder herbeikam. Da nun Anselm diesen Herbst über Aachen so oft besuchte, so erneuerte Platter die vorige Bekanntschaft ganz ungezwungener Weise. Anselm, der gern schwatzte, erzählte ihm – freilich nicht alle Unfälle, die er mit zwei Frauenzimmern gehabt hatte. Dazu war er allzu vorsichtig und klug. Er ließ ihn aber doch merken, dass er in manchen Dingen seine Meinung von Frauenzimmern geändert habe, dass sie nicht alle gleich solide dächten und dass er jetzt gar nicht willens wäre zu heiraten; wenn er aber ja heiraten sollte, wolle er keine andere Braut erwählen als eine solche, deren Schönheit durch schale Vorurteile und leichtsinniges Betragen nicht verdunkelt würde. Platter gab ihm in allem Recht; und, immer gefällig gegen seinen Freund, sagte er ihm selbst, aus Erfahrung, vieles vom Unterschiede wohldenkender und nicht wohldenkender Frauenzimmer; und, um ihm ein Beispiel eines Frauenzimmers von jener Art zu geben, machte er ihn mit der Jungfer Angelika L. bekannt.
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