kurz alles, was man in der wirklichen Welt nicht braucht; und er lernte es umso viel eifriger, da seine Lehrer laut sagten, die Welt würde bald ebenso werden wie das Philantropin in Horbock, alle Menschen würden in kurzem sich kalt baden, laufen, springen, hohe Hüte und Halbstiefel tragen: so hielten sich demnach die kleinen Philantropisten schon in Gedanken für die Muster der Bildung einer ganzen Generation. Es ist wahr, statt dass in Anselms lateinischer Schule die Übung des Gedächtnisses alles gewesen war, so ward nun seine Denkungskraft geübt. Aber unglücklicher Weise dachten seine Lehrer ziemlich schief, und so lernte er schief denken. Man lehrte ihn Weisheit; aber es war nur die Weisheit frischgebackener weiser Lehrer, die vor kurzem erst Knaben waren und daher selbst nicht viel als die Weisheit eines Knaben bedurften. Diese Weisheit kam der angeborenen Klugheit unsers dicken Männchens trefflich zustatten. Denn nun dünkte er sich viel klüger und wollte von jedem Warum das Darum sagen, eh ers gelernt hatte. Mit Lernen ward er überhaupt nicht sehr angegriffen. Zufolge der Grundsätze des Philantropins zu Horbock sollte er nur lernen, wenn er Lust dazu hatte, und die hatte er selten: so dass er ohne seine natürliche Fähigkeit gar nichts würde gelernt haben. Nachdem unser Held zwei Jahre dort zugebracht hatte, kam er als ein ganz andrer Mensch nach Hause; jeder, der ihn sah, staunte ihn an. Sein Verstand war zwar in gewisser Rücksicht mehr entwickelt, denn er hatte denken und räsonnieren lernen; aber völlig verlernt hatte er, sich im gemeinen Leben verständig aufzuführen. Er hielt es für ganz unnötig, sich nach der übrigen Welt zu richten; denn er hatte in Horbock so oft gehört, die Welt sei ausgeartet: daher forderte er, dass sich die Welt nach ihm richten solle, nach ihm, der aus der bessern Welt von Horbock kam. Er hielt sich nichts für übel, sprang über Stock und Block, verachtete alles, räsonnierte über alles. Wahr ist es, er hatte vieles gelernt, was sein Vater und sein Oheim nicht wussten, und was vielleicht auch in Vaals vor ihm niemals jemand gewusst hatte; doch fehlte ihm ganz die Geschicklichkeit, es gut anzubringen. Er wollte nicht beleidigen, ward aber wider seinen Willen durch sein ganzes Betragen beleidigend. Er würde noch unerträglicher geworden sein, wenn ihn nicht Philipp von manchen Dingen abgehalten hätte. Dieser sah mit seinem kalten gesunden Verstande die Wahrheit ein, schwieg zwar ungefragt, sagte sie aber, wenn er gefragt ward. Nun war Anselm sehr redselig, fragte daher sehr oft und hörte denn von Philipp manche Wahrheit, die er besser hätte nutzen können, wäre sein Leichtsinn nicht zu beständigen Seitensprüngen geneigt gewesen, so dass alle