und dergleichen rede. Es sind hier im Dorfe zwei große Politiker. Der
eine davon ist einmal ein Jahr auf einer lateinischen Schule gewesen, hat aber,
da sein älterer Bruder starb, wieder zum Pfluge zurückkehren müssen. Dieser
spricht denn noch immer gern von gelehrten Sachen, und bedauert den Zufall sehr,
der ihn von seiner gelehrten Laufbahn zurück rief; denn er meint, es würde
einmal ein großer Mann aus ihm geworden sein, wenn er beim Studieren hätte
bleiben können. Er weiß denn auch den andern Bauern so viel von Sachen
vorzuschwatzen, die er einmal hat nennen hören, und deren Namen er ganz
jämmerlich verdreht, dass sie ihn für ein Wunder der Gelehrsamkeit halten.
Der andre ist der Schmidt des Dorfs, der, wie er sagt, weit auf Reisen
gewesen ist. - Im Grunde aber bestehen seine ganzen Reisen darin, dass er in
einem Städtchen, zwei Meilen von hier, als Schmiedegeselle gearbeitet hat. -
Dieser steht denn auch - sein handfester Körper trägt dazu nicht wenig bei -
hier in großem Ansehen. Beide wollen oft mit dem Schulmeister von hohen Dingen
sprechen. Dieser aber fühlt seine Schwäche gegen sie, weil er einmal in einer
solchen Streitigkeit über die Farbe vom Schwanz eines Kometen, der sich vor
einiger Zeit am Himmel sehen ließ, von den beiden andern besiegt worden ist, und
dann die Leibesstärke des Herrn Schmidts lange in seinen Knochen empfunden hat,
so dass er ihnen nun immer auf die höflichste Art Recht gibt. Wollen sie
durchaus Widerspruch haben, um ihre Stärke in der Widerlegung des Gegners zu
zeigen, so schleicht er sich sachte davon, und überlässt die beiden Kämpfer dem
Misvergnügen, das sie empfinden, ihre besonderen Gaben - das ist der
Lieblingsausdruck des ehemaligen lateinischen Schülers - nicht zeigen zu können.
Es ist sehr lustig, diesen gelehrten Streitigkeiten beizuwohnen, und zu
sehen, wie sich diese Leute mit den wichtigsten Mienen von der Welt über
Kleinigkeiten zanken, die andern nicht einmal der Rede wert scheinen. Ich
vergleiche sie oft mit unsern Gelehrten, die über ein beh und bäh, und oft über
noch geringfügigere Sachen ganze Stöße von Streitschriften schreiben, die zu
weiter nichts dienen, als dem Verleger Absatz zu verschaffen, wenn nämlich recht
grobe persönliche Anzüglichkeiten darin stehen. Denn leider sind wir Menschen
in dem verderbten Geschmack, dass die boshaft aufgedeckten Fehler unsrer
Mitbrüder am meisten unsre Aufmerksamkeit reizen. Ist dies aber nicht der Fall,
sondern wird bloß die Ursache des Streits abgehandelt, ohne tückische
Nebenanekdoten und Schmähungen, die gar nicht zur Sache gehören, so erregen
diese Schriften weiter keine Aufmerksamkeit, und dienen bloß dazu, dass der
Krämer Käse hineinwickelt, oder Pfeffertüten daraus macht, wenn sie nicht zu
einem noch unedlern Gebrauch angewandt werden.