leicht erkant haben, dass Gott aus bloßer Güte viele seiner Geschöpfe so eingerichtet habe, dass Eins von dem Andern leben muss. Denn hätt' er dies nicht getan, so würde er nicht halb so viel Tierarten haben erschaffen können: weil Gras und Früchte nur für wenige Arten von lebendigen Geschöpfen hinreichend gewesen wären. Damit also die ganze Erde belebt würde, damit überal – in Wasser, Luft und Erde – lebendige Wesen wären, die sich ihres Daseins freuten, so lange sie lebten, und damit die eine Art von Geschöpfen nicht zum Untergang einer andern Art sich gar zu stark vermehrte: so musste der weise und gute Gott die Einrichtung treffen, dass einige Geschöpfe auf Unkosten anderer lebten. – Überdem hast du dir in deinem kleinen dummen Kopfe wohl nicht träumen lassen, was wir Menschen mit völliger Gewissheit wissen, nämlich: dass dies Leben für alle von Gott erschaffene Geister, auch für dich, Fliege! nur der Anfang, nur die erste Morgenstunde eines andern ewigen Lebens sei, und dass sich also künftig einmal Vieles, Vieles aufklären kann, wovon wir jetzt noch nichts begreifen. Wer weiß, ob nicht dann auch du erfahren wirst, wozu es dir und Andern gut gewesen sei, dass du dich erst an unserm Blute laben und dann von der Schwalbe gefangen oder vom Fliegenklap zerschmettert werden musstest? Bis dahin bescheide dich, dass du nur eine Fliege seist, die über das, was der alweise und algütige Gott tut, unmöglich urteilen kann; und wir – wollen dir hierin mit unserm Exempel vorgehn.« Was meinst du, Diderich, würde die Fliege, wenn sie Verstand hätte, mit dieser Antwort wohl zufrieden sein? Diderich. Ich bin's. Vater. Nun so wollen wir wieder zu unserm Robinson zurückehren. Die Not zwang ihn, sich zu helfen, so gut er konnte. Er kriegte also die Felle vor, und schnit aus denselben – freilich nicht ohne viele Mühe – mit seinem steinernen Messer, erst ein Paar Schuhe, dann ein Paar Strümpfe zu. Nähen konnte er beide nicht; also musst' er sich begnügen, nur kleine Bindlöcher darein zu machen, um sie durch Hilfe eines gedreheten Fadens an den Füßen fest zu schnüren. Das war nun freilig mit großer Beschwerlichkeit verbunden. Denn ungeachtet er das Rauhe auswärts kehrte; so fühlte er dennoch immer eine brennende Hize in den Füßen, und das steife harte Leder schabte ihm vollends bei dem geringsten Gange, den er vornahm, die Haut wund, und verursachte ihm dadurch nicht geringe Schmerzen. Und dennoch wollte er lieber dies, als die Stiche der Musquitos, ertragen. Von einem andern sehr steifen und etwas krum gebogenen Stük Leder machte er sich eine Maske, indem er