ist auch nicht recht abzusehen, wie sie angestellt werden könnte. Ebensogut wäre eine Untersuchung vorzuschlagen, ob nicht etwa sein Kompendium von einem Garkoch namens Erdwin Julius möchte sein zusammengetragen worden? Denn es könnte gar zu unwahrscheinlich scheinen, dass ein Doktor und Prediger, selbst wenn er zuweilen gedankenlos zu kompilieren gewohnt wäre, so wenig Beurteilungskraft und Menschensinn haben sollte, um durch eine läppische Erdichtung zwei lebende namhaft gemachte Schriftsteller zu beleidigen, wovon der eine seit sechsundzwanzig Jahren als der Verfasser eines Buchs allgemein bekannt ist und der andere weder Anteil daran hat noch haben will; und dies bloß auf die vorgegebene mündliche Sage namenloser Menschen, welche nicht glaubwürdige Gewährsmänner, sondern nur verächtliche Klätscher und Anekdotenmacher sein müssen. Die dem dritten Bande angehängte »Nachricht« war in den vorigen Ausgaben dem zweiten Bande beigefügt. Weil ich nämlich den zweiten Band nicht geschwind genug auf den ersten folgen ließ, so geriet jemand darauf, einen unechten zweiten Teil herauszugeben. Auch kamen »Predigten des Herrn Magisters Sebaldus Notanker« heraus, aber gar nicht im Sinne des Mannes, dessen Bild mir vorschwebte, als ich dies Buch schrieb. Hierdurch ward diese »Nachricht« veranlasst, welche wegen der Einkleidung vielleicht jetzt noch einigen Wert hat. Berlin, den 14. Jänner 1799 Fr. Nicolai Vorrede zur ersten Ausgabe Obgleich die leidigen Poeten, Komödien- und Romanenschreiber zu glauben pflegen, sie hätten das Leben ihres Helden weit genug beschrieben, wenn sie ihn bis zur Heirat bringen, so sind doch gründliche Gelehrte der Meinung, dass die Begebenheiten nach der Hochzeit oft viel merkwürdigere Dinge enthalten als die Liebesbegebenheiten vor derselben. Die Liebesbegebenheiten sind zwar für junge Herren und für junge Jungfern anmutiger zu lesen, aber gemeiniglich wird diese Anmut auf Kosten der Wahrheit verschafft; denn die verliebten Szenen werden nicht erzählt, so wie sie in der Welt vorgehen, sondern nach dem Bedürfnisse des Dichters, seine Geistesgaben zu zeigen und die Leidenschaften seiner Leser zu erregen. In dieser wahrhaftigen Lebensbeschreibung hingegen wollen wir nichts der Anmut oder des Wunderbaren wegen erdichten, sondern alles ganz einfältig melden, wie es vorgegangen ist. Dazu wird uns der Umstand nicht wenig beförderlich sein, dass wir das Leben unseres Dorfpastors erst nach seiner Heirat zu beschreiben anfangen dürfen, indem schon ein anderer Verfasser die Liebesbegebenheiten desselben vor der Heirat in dem bekannten prosaisch-komischen Gedichte »Wilhelmine« beschrieben hat. Freilich ist dieser Verfasser ein Poet und daher nicht, wie es einem gründlichen Geschichtskundigen gebührt, beflissen gewesen, eine richtige Chronologie zu beobachten und seine Erzählungen von allen Erdichtungen rein zu erhalten. Es sind überdies manche Umstände sehr verdächtig; und er scheint nicht imstande zu sein, eine einzige seiner Erzählungen mit ungedruckten Urkunden zu belegen. Dass er gegen die Chronologie verstösst, ist offenbar