wissen.
Major: Ganz recht, examinieren Sie mich nur, ich will auf alles antworten.
Sebaldus: Sie glauben vermutlich, dass ein Gott ist, der Himmel und Erde
geschaffen hat?
Major: Ja, freilich! Wer sollte nicht an Gott glauben?
Sebaldus: Sie glauben auch, dass Gott die Welt und alle Dinge darin mit einer
weisen Vorsehung regieret?
Major: Freilich! Ohne Gott geschiehet nichts.
Sebaldus: Und dass nach diesem Leben noch ein künftiges zu gewarten ist?
Major: Nein, mit dem Tode ist alles aus.
Sebaldus: Ich habe zuweilen aus Ihren Reden geschlossen, dass Sie eine solche
Meinung hegten, ohne dass es sich gefügt hätte, näher darüber zu sprechen. Wäre
diese Meinung wahr, so blieben wir, wie Sie selbst nicht leugnen werden, in
vielen Begegnissen des Lebens völlig trostlos. Gott hat aber, wie ich glaube, so
wie er kein Übel ohne zu einem guten Zwecke zulässt, als ein gütiger Vater für
jedes Übel auch den Trost in die Natur gelegt. Dies veranlasste mich schon vor
langen Jahren, über die von Ihnen gehegte Meinung näher nachzudenken; ich weiß
daher, dass in der Vernunft und in der Schrift viele Gründe zu finden sind, die
sehr bald das Gegenteil wahrscheinlich und bei reiferm Nachdenken gewiss machen.
Major: Herr, ich habe immer gedacht, dass die Vernunft nicht einmal weiß,
wenn ein Toter recht tot ist; wie sollte sie wissen, was nach dem Tode vorgeht?
Wenigstens meine Vernunft reicht so weit nicht. Was die Bibel betrifft, so steht
viel Gutes darin. Ich habe alles gelesen. Es lässt sich vieles hier in diesem
Leben recht wohl nutzen. Aber von einem künftigen Leben so wie von so viel
andern unbegreiflichen Dingen glaube ich nichts, wenn's auch in einem Buche
steht.
Sebaldus: Wenn Sie also die Bibel gelesen haben, glauben Sie dann, dass darin
der Willen Gottes enthalten ist, dem wir folgen sollen?
Major: Gottes Willen ist, dass ein Mensch ein rechtschaftner Kerl sein und
nicht unrecht tun soll. Das weiß jeder, und es steht auch in der Schrift. Das
übrige mag für Euch Herren Geistlichen gut sein. Ein Soldat kann nicht so
vielerlei Dinge in seinen Kopf kriegen, worüber Ihr Euch disputiert.
Sebaldus: Sie gestehen also, dass kein Mensch unrecht tun sollte. Gleichwohl
tun die meisten, ja man kann wohl sagen alle Menschen mannigfaltig unrecht. Wie
ist es nun, wenn wir mit unsern Sünden Bestrafung verdient hätten?
Major: So mögen wir sie leiden. Wer heißt uns sündigen?
Sebaldus: Diese Frage lässt sich vielleicht nicht so geradehin entscheiden.
Denn wenn nun unsere Natur so unvollkommen ist, dass wir nicht ohne