dass er ehmals ohne Körper in den eterischen Gegenden geschwebt, den
geflügelten Wagen Jupiters begleitet, und mit den Göttern Nectar getrunken habe?
Was für einen sechsten oder siebenten Sinn haben wir, um die Würklichkeit der
Gegenstände damit zu erkennen, womit man die Geisterwelt bevölkert? Sind es
unsre innerlichen Sinnen? Was sind diese anders als das Vermögen der
Einbildungskraft die Wirkungen der äußern Sinnen nachzuäffen? Was sieht das
inwendige Auge eines Blindgebornen? Was hört das innere Ohr eines geborenen
Tauben? Oder was sind diese Szenen, in welche die erhabenste Einbildungskraft
auszuschweifen fähig ist, anders als neue Zusammensetzungen, die sie gerade so
macht, wie ein Mädchen aus den Blumen, die in einem Parterre zerstreut stehen,
einen Kranz flicht; oder höhere Grade dessen was die Sinnen wirklich empfunden
haben, von welchen man jedoch immer unfähig bleibt, sich einige klare
Vorstellung zu machen; Denn was empfinden wir bei dem Eherischen Schimmer, oder
den ambrosischen Gerüchen der homerischen Götter? Wir sehen, wenn ich so sagen
kann, den Schatten eines Glanzes in unsrer Einbildung; wir glauben einen
lieblichen Geruch zu empfinden; aber wir sehen keinen eterischen Glanz, und
empfinden keinen ambrosischen Geruch. Kurz, man verbiete den Schöpfern der
überirdischen Welten sich keiner irdischen und sinnlichen Materialien zu
bedienen so werden ihre Welten, um mich eines ihrer Ausdrücke zu bedienen,
plötzlich wieder in den Schoss des Nichts zurückfallen, woraus sie gezogen
worden. Und brauchen wir wohl noch einen andern Beweis, um uns diese ganze
Theorie verdächtig zu machen, als die Methode, die man uns vorschreibt, um zu
der geheimnisvollen Glückseligkeit zu gelangen, welcher wir diejenige aufopfern
sollen, die uns die Natur und unsre Sinnen anbieten? Wir sollen uns den
sichtbaren Dingen entziehen, um die unsichtbaren zu sehen; wir sollen aufhören
zu empfinden, damit wir desto lebhafter phantasieren können. Verstopfet eure
Sinnen, sagen sie, so werdet ihr Dinge sehen und hören, wovon diese tierischen
Menschen, die gleich dem Vieh mit den Augen sehen, und mit den Ohren hören, sich
keinen Begriff machen können. Eine vortreffliche Diät, in Wahrheit; die Schüler
des Hippokrates werden dir beweisen, dass man keine bessere erfinden kann, um
wahnwitzig zu werden. Es scheint also sehr wahrscheinlich, dass alle diese
Geister, diese Welten, welche sie bewohnen, und diese Glückseligkeiten, welche
man nach dem Tode mit ihnen zu teilen hofft, nicht mehr Wahrheit haben, als die
Nymphen, die Liebesgötter und die Grazien der Dichter, als die Gärten der
Hesperiden und die Inseln der Circe und Kalypso; kurz, als alle diese Spiele der
Einbildungskraft, welche uns belustigen, ohne dass wir sie für wirklich halten.
Die Religion unsrer Väter befiehlt uns einen Jupiter, eine Venus zu glauben