, eh sie sich wieder
in ihren ursprünglichen Stand, in das reine Element der Geister empor
geschwungen hat. Sie ist also vor dem Tode keiner andern Glückseligkeit fähig
als derjenigen, deren sie durch eine freiwillige Absonderung von allen irdischen
Dingen, durch Ertödung aller irdischen Leidenschaften und Entbehrung aller
sinnlichen Vergnügen, fähig gemacht wird. Nur durch diese Entkörperung wird sie
der Beschauung der wesentlichen und göttlichen Dinge fähig, worin die Geister
ihre einzige Nahrung und diese vollkommne Wonne finden, wovon die sinnlichen
Menschen sich keinen Begriff machen können. Solchergestalt kann sie nur, nachdem
sie durch verschiedene Grade der Reinigung, von allem was tierisch und körperlich
ist, gesäubert worden, sich wieder zu der überirdischen Sphäre erheben, mit den
Göttern leben, und im Unverwandten Anschauen des wesentlichen und ewigen
Schönen, wovon alles Sichtbare bloß der Schatten ist, Ewigkeiten durchleben, die
eben so grenzenlos sind, als die Wonnen, von der sie überströmet werden.
Ich zweifle nicht daran, Kallias, dass es Leute geben mag, bei denen die
Milzsucht hoch genug gestiegen ist, dass diese Begriffe eine Art von Wahrheit für
sie haben. Es ist auch nichts leichtere, als dass junge Leute von lebhafter
Empfindung und feuriger Einbildungskraft, durch eine einsame Lebensart und den
Mangel solcher Gegenstände und Freuden, worin sich dieses übermäßige Feuer
verzehren könnte, von diesen hochfliegenden Schimären eingenommen werden, welche
so geschickt sind, ihre nach Vergnügen lechzende Einbildungskraft durch eine Art
von Wollust zu täuschen, die nur desto lebhafter ist, je verworrener und dunkler
die bezaubernden Phantomen sind die sie hervorbringen; allein ob diese Träume
außer dem Gehirn ihrer Erfinder, und derjenigen, deren Einbildungskraft so
glücklich ist ihnen nachfliegen zu können, einige Wahrheit oder Würklichkeit
haben, ist eine Frage, deren Erörterung nicht zum Vorteil derselben ausfällt,
wenn sie der gesunden Vernunft aufgetragen wird. Je weniger die Menschen wissen,
desto geneigter sind sie, zu wähnen und zu glauben. Wem anders als der
Unwissenheit und dem Aberglauben der ältesten Welt haben die Nymphen und Faunen,
die Najaden und Tritonen, die Furien und die erscheinenden Schatten der
Verstorbnen ihre vermeinte Würklichkeit zu danken? Je besser wir die Körperwelt
kennen lernen, desto enger werden die Grenzen des Geisteo nichts davon sagen, ob
es wahrscheinlich sei, dass die Priesterschaft, die von jeher einen so
zahlreichen Orden unter den Menschen ausgemacht, bald genug die Entdeckung
machen musste, was für große Vorteile man durch diesen Hang der Menschen zum
Wunderbaren von ihren beiden heftigsten Leidenschaften, der Furcht und der
Hoffnung, ziehen könne. Wir wollen bei der Sache selbst bleiben. Worauf gründet
sich die erhabene Theorie, von der wir reden? Wer hat jemals diese Götter, diese
Geister gesehen, deren Dasein sie voraussetzt? Welcher Mensch erinnert sich
dessen,