meinem
Begriffe, die Weisheit besteht, die so selten ein Anteil der Sterblichen ist.
Ich nenne sie eine Kunst, weil sie von der fertigen Anwendung gewisser Regeln
abhängt, die nur durch die Übung erlangt werden kann: Allein sie setzt wie alle
Künste einen gewissen Grad von Fähigkeit voraus, den nur die Natur gibt, und den
sie nicht allen zu geben pflegt. Einige Menschen scheinen kaum einer größeren
Glückseligkeit fähig zu sein als die Austern, und wenn sie ja eine Seele haben,
so ist es nur so viel als sie brauchen, um ihren Leib eine Zeitlang vor der
Fäulnis zu bewahren. Ein größerer und vielleicht der größte Teil der Menschen
befindet sich nicht in diesem Fall; aber weil es ihnen an genügsamer Stärke des
Gemüts, und an einer gewissen Zärtlichkeit der Empfindung mangelt, so ist ihr
Leben gleich dem Leben der übrigen Tiere des Erdbodens, zwischen Vergnügen, die
sie weder zu wählen noch zu genießen, und Schmerzen, denen sie weder zu
widerstehen noch zu entfliehen wissen, geteilt. Wahn und Leidenschaften sind die
Triebfedern dieser menschlichen Maschinen; beide setzen sie einer unendlichen
Menge von Übeln aus, die es nur in einer betrognen Einbildung, aber eben darum
wo nicht schmerzlicher doch anhaltender und unheilbarer sind, als diejenigen die
uns die Natur auferlegt. Diese Art von Menschen ist keines gesetzten und
anhaltenden Vergnügens, keines Zustandes von Glückseligkeit fähig; ihre Freuden
sind Augenblicke, und ihre übrige Dauer ist entweder ein Wirkliches Leiden, oder
ein unaufhörliches Gefühl verworrener Wünsche, eine immerwährende Ebbe und Flut
von Furcht und Hoffnung, von Phantasien und Gelüsten; kurz eine unruhige
Bewegung die weder ein gewisses Maß noch ein festes Ziel hat, und also weder ein
Mittel zur Erhaltung dessen was gut ist sein kann, noch dasjenige genießen lässt,
was man wirklich besitzt. Es scheint also unmöglich zu sein, ohne eine gewisse
Zärtlichkeit der Empfindung, die uns in einer weitern Sphäre, mit feinem Sinnen
und auf eine angenehmere Art genießen lässt, und ohne diejenige Stärke der Seele,
die uns fähig macht das Joch der Phantasie und des Wahns abzuschütteln, und die
Leidenschaften in unsrer Gewalt zu haben, zu demjenigen ruhigen Zustande von
Genuss und Zufriedenheit zu kommen, der die Glückseligkeit ausmacht. Nur
derjenige ist in der Tat glücklich, der sich von den Übeln die nur in der
Einbildung bestehen, gänzlich frei zu machen; diejenigen aber, denen die Natur
den Menschen unterworfen hat, entweder zu vermeiden, oder doch zu vermindern -
und das Gefühl derselben einzuschläfern, hingegen sich in den Besitz alles des
Guten, dessen uns die Natur fähig gemacht hat, zu setzen, und was er besitzt,
auf die angenehmste Art zu genießen weiß; und dieser Glückselige allein ist der
Weise.
Wenn ich dich