dass Agaton und die meisten übrigen Personen,
welche in seine Geschichte eingeflochten sind, wirkliche Personen sind,
dergleichen es von je her viele gegeben hat, und in dieser Stunde noch gibt, und
dass (die Neben-Umstände, die Folge und besondere Bestimmung der zufälligen
Begebenheiten, und was sonsten nur zur Auszierung, welche willkürlich ist,
gehört, ausgenommen) alles, was das Wesentliche dieser Geschichte ausmacht, eben
so historisch, und vielleicht noch um manchen Grad gewisser sei, als irgend ein
Stück der glaubwürdigsten politischen Geschichtschreiber, welche wir aufzuweisen
haben.
Es ist etwas bekanntes, dass öfters im menschlichen Leben weit
unwahrscheinlichere Dinge begegnen, als der Chevalier de Mouhy selbst zu
erdichten sich getrauen würde. Es würde also sehr übereilt sein, die Wahrheit
des Characters unsers Helden deswegen in Verdacht zu ziehen, weil es öfters
unwahrscheinlich ist, dass jemand so gedacht oder gehandelt habe, wie er. Wenn es
unmöglich sein wird, zu beweisen, dass ein Mensch, und ein Mensch unter den
besonderen Bestimmungen, unter welchen sich Agaton von seiner Kindheit an
befunden, nicht so denken oder handeln könne, oder wenigstens es nicht ohne
Wunderwerke, Einflüsse unsichtbarer Geister, oder übernatürliche Bezauberung
hätte tun können: So glaubt der Verfasser mit Recht erwarten zu können, dass man
ihm auf sein Wort glaube, wenn er positiv versichert, dass Agaton wirklich so
gedacht oder gehandelt habe. Zu gutem Glücke finden sich in den beglaubtesten
Geschichtschreibern, und schon allein in den Lebensbeschreibungen des Plutarch
Beispiele genug, dass es möglich sei, so edel, so tugendhaft, so entaltsam,
oder, nach der Sprache des Hippias, und einer ansehnlichen Klasse von Menschen
zu reden, so seltsam, so eigensinnig und albern zu sein als es unser Held in
einigen Gelegenheiten seines Lebens ist.
Man hat an verschiedenen Stellen des gegenwärtigen Werks die Ursachen
angegeben, warum man aus dem Agaton kein Modell eines vollkommen tugendhaften
Mannes gemacht hat. Da die Welt mit ausführlichen Lehrbüchern der Sittenlehre
angefüllt ist, so steht einem jeden frei, (und es ist nichts leichtere) sich
einen Menschen einzubilden, der von der Wiege an bis ins Grab, in allen
Umständen und Verhältnissen des Lebens, allezeit und vollkommen so empfinde,
denkt und handelt, wie eine Moral. Damit Agaton das Bild eines wirklichen
Menschen wäre, in welchem viele ihr eigenes erkennen sollten, konnte er, wir
behaupten es zuversichtlich, nicht tugendhafter vorgestellt werden, als er ist;
und wenn jemand hierin andrer Meinung sein sollte, so wünschten wir, dass er uns
(wenn es wahr ist, dass derjenige der Beste ist, der die besten Eigenschaften mit
den wenigsten Fehlern hat,) denjenigen nenne, der unter allen nach dem
natürlichen Lauf Gebornen, in ähnlichen Umständen