einbilden kann. Wenn es gediegenes Feuer
und trockenes Wasser gibt, so sollte es auch bleiernes Gold und einen
viereckichten Zirkel geben können. Vergeben sie mir, Hyacinthe, versetzte Don
Sylvio, das schließt nicht so gut, wie sie zu glauben scheinen; die Ründe gehört
zum Wesen des Cirkels, und es ist also an sich selbst unmöglich, sich einen
viereckichten Zirkel einzubilden, aber woher lässt sichs erweisen, dass die
Flüssigkeit eine wesentliche Eigenschaft des Wassers und des Feuers sei? Sehen
wir nicht im Winter Eis welches nichts anders als festes oder gediegenes Wasser
ist, warum sollte die Macht oder die Kunst der elementarischen Geister nicht
auch trocknes Wasser oder festes Feuer hervor bringen können? Mich deucht, (fuhr
er fort) die wahre Quelle der irrigen Urteile, die man über alles dasjenige, was
man wunderbare Begebenheiten heißt, zu fällen pflegt, entspringe aus der
falschen Einbildung, als ob alles unmöglich sei, was sich nicht aus körperlichen
und in die Sinne fallenden Ursachen erklären lässt; gleich als ob die Kräfte der
Geister, von denen die körperlichen Dinge bloß tote und grobe Werkzeuge sind,
nicht notwendiger Weise die mechanischen und geborgten Kräfte eben dieser
Werkzeuge unendlich übersteigen müssten. In dieser Betrachtung glaube ich
allerdings, dass unzähliche Dinge möglich sind, die wir aus keinem bessern Grunde
für unmöglich halten, als weil sie unserer Unwissenheit unbegreiflich vorkommen;
worin wir ungefähr eben so weise sind, als ein Wilder, der die bezaubernde
Modulation, die ein Meister aus einer Quer-Flöte hervor bringt, für unmöglich
halten wollte, weil er selbst aus seinem Haberrohr nur heisere und einförmige
Töne erzwingen kann. Ich finde also in der Geschichte des Prinzen Biribinkers
nichts unmögliches, und (die Glaubwürdigkeit des Geschichtsschreibers voraus
gesetzt) sehe ich nicht, warum sie nicht von einem Ende zum andern eben so
wirklich begegnet sein, und eben so viel Glauben verdienen sollte als irgend
eine andere Geschichte. Jetzt haben sie den rechten Punkt berührt, sagte Don
Gabriel; auf die Glaubwürdigkeit der Zeugen kommt alles an; denn ob wir gleich
allen den Wunderdingen, womit die Geschichtschreiber und die Dichter die Welt
angefüllt haben, oder doch dem größten Teil davon, eine bedingte Möglichkeit
einräumen können, so sind sie doch um des willen nicht weniger bloße Schimären,
so lange nicht bis zur Überzeugung der Vernunft erwiesen werden kann, dass sie
wirklich existieren oder existiert haben. Und das gestehe ich ihnen, dass es sehr
schlecht um die historische Wahrheit der Feen- und Geister-Geschichten steht,
wenn sie keine bessere Gewähr ihrer Wahrheit aufzuweisen haben als Biribinker.
Warum das, fragte Don Sylvio? Weil diese ganze Geschichte von meiner eigenen
Erfindung ist, antwortete Don Gabriel. Von ihrer Erfindung? rief jener etwas
betroffen aus. O