den Dingen selbst zu wissen, wenn wir von B�umen, Farben, Schnee und Blumen reden, und besitzen doch nichts als Metaphern der Dinge, die den urspr�nglichen Wesenheiten ganz und gar nicht entsprechen. Wie der Ton als Sandfigur, so nimmt sich das r�tselhafte X des Dings an sich einmal als Nervenreiz, dann als Bild, endlich als Laut aus. Logisch geht es also jedenfalls nicht bei der Entstehung der Sprache zu, und das ganze Material, worin und womit sp�ter der Mensch der Wahrheit, der Forscher, der Philosoph arbeitet und baut, stammt, wenn nicht aus Wolkenkuckucksheim, so doch jedenfalls nicht aus dem Wesen der Dinge. Denken wir besonders noch an die Bildung der Begriffe. Jedes Wort wird sofort dadurch Begriff, dass es eben nicht f�r das einmalige ganz und gar individualisierte Urerlebnis, dem es sein Entstehen verdankt, etwa als Erinnerung dienen soll, sondern zugleich f�r zahllose, mehr oder weniger �hnliche, das hei�t streng genommen niemals gleiche, also auf lauter ungleiche F�lle passen muss. Jeder Begriff entsteht durch Gleichsetzen des Nichtgleichen. So gewiss nie ein Blatt einem andern ganz gleich ist, so gewiss ist der Begriff Blatt durch beliebiges Fallenlassen dieser individuellen Verschiedenheiten, durch ein Vergessen des Unterscheidenden gebildet und erweckt nun die Vorstellung, als ob es in der Natur au�er den Bl�ttern etwas g�be, das �Blatt� w�re, etwa eine Urform, nach der alle Bl�tter gewebt, gezeichnet, abgezirkelt, gef�rbt, gekr�uselt, bemalt w�ren, aber von ungeschickten H�nden, so dass kein Exemplar korrekt und zuverl�ssig als treues Abbild der Urform ausgefallen w�re. Wir nennen einen Menschen �ehrlich�; warum hat er heute so ehrlich gehandelt? fragen wir. Unsere Antwort pflegt zu lauten: seiner Ehrlichkeit wegen. Die Ehrlichkeit! Das hei�t wieder: das Blatt ist die Ursache der Bl�tter. Wir wissen ja gar nichts von einer wesenhaften Qualit�t, die �die Ehrlichkeit� hie�e, wohl aber von zahlreichen individualisierten, somit ungleichen Handlungen, die wir durch Weglassen des Ungleichen gleichsetzen und jetzt als ehrliche Handlungen bezeichnen; zuletzt formulieren wir aus ihnen eine qualitas occulta mit dem Namen: �die Ehrlichkeit�. Das �bersehen des Individuellen und Wirklichen gibt uns den Begriff, wie es uns auch die Form gibt, wohingegen die Natur keine Formen und Begriffe, also auch keine Gattungen kennt, sondern nur ein f�r uns unzug�ngliches und undefinierbares X. Denn auch unser Gegensatz von Individuum und Gattung ist anthropomorphisch und entstammt nicht dem Wesen der Dinge, wenn wir auch nicht zu sagen wagen, dass er ihm nicht entspricht: das w�re n�mlich eine dogmatische Behauptung und als solche ebenso unerweislich wie ihr Gegenteil. Was ist also Wahrheit? Ein bewegliches Heer von Metaphern, Metonymien, Anthropomorphismen, kurz eine Summe von menschlichen Relationen, die, poetisch und rhetorisch