das blosse Denken eines ins Wasser geworfenen Steins wird uns nie zu diesem Schluss f�hren. Wenn ich mir vorstellen k�nnte, was eine gerade Linie f�r ein Ding ist, ohne jemals eine gesehen zu haben, so w�rde ich sogleich erkennen, dass zwei gerade Linien keinen Raum einschliessen k�nnen. Die Intuition ist �ein imagin�res Sehen oder Besehen�,59 aber die Erfahrung muss ein wirkliches Sehen sein; wenn wir dadurch sehen, dass eine Eigen- schaft gerader Linien wahr ist, dass wir uns bloss ein- bilden, wir bes�hen dieselben, so kann der Grund un- seres Glaubens nicht in den Sinnen oder in der Erfah- rung liegen, er muss etwas Geistiges sein. Was das erw�hnte besondere Axiom betrifft, so kann diesem Argumente noch hinzugef�gt werden � denn von allen Axiomen w�re die Behauptung nicht wahr �, dass sein Beweis durch wirkliche Ocularin- spection nicht allein unn�thig, sondern auch uner- reichbar ist. Was sagt das Axiom? Es sagt: dass zwei gerade Linien keinen Raum einschliessen k�nnen; dass, wenn sie sich einmal geschnitten haben, sie bei dem Verl�ngern ins unendliche nicht mehr zusam- mentreffen, sondern fortw�hrend von einander diver- giren. Wie kann dies in einem einzigen Falle durch wirkliche Beobachtung bewiesen werden? Wir k�n- nen den Linien bis zu einer beliebigen Entfernung, nicht aber ins unendliche folgen; denn soviel unsere Sinne bezeugen k�nnen, k�nnen sie unmittelbar nach dem weitesten Punkte, bis zu dem wir sie verfolgt haben, sich zu n�hern anfangen und zuletzt sich be- gegnen. Wenn wir daher nicht noch einen |andern Be- weis der Unm�glichkeit h�tten, als den uns die Erfah- rung bietet, so h�tten wir gar keinen Grund, das Axiom �berhaupt zu glauben. Ich glaube, wir werden eine gen�gende Antwort auf diese Argumente finden, wenn wir eine der charakteri- stischen Eigenschaften der geometrischen Formen be- achten, n�mlich ihre F�higkeit, in der Einbildungs- kraft ein Bild hervorzurufen, das so deutlich ist, wie die Wirklichkeit; mit anderen Worten, die genaue Aehnlichkeit unserer Ideen von der Form mit den Sen- sationen, welche sie erregen. Dies setzt uns zuv�r- derst in den Stand (wenigstens bei einer geringen Ue- bung), geistige Bilder aller m�glichen Combinationen von Linien und Winkeln aufzustellen, welche der Wirklichkeit gerade so gut gleichen, als solche, die wir immerhin auf dem Papier darstellen m�gen, und macht zun�chst diese Bilder zu gerade so geeigneten Gegenst�nden geometrischer Versuche wie die Wirk- lichkeiten selbst, insofern Bilder, wenn sie hinrei- chend genau sind, nat�rlich alle Eigenschaften zeigen, welche die Realit�ten in einem gegebenen Augenblic- ke und bei dem blossen Anblick zeigen w�rden; in der Geometrie gehen uns aber nur solche Eigenschaf