Gotteslehre oder Theologie, welche das Dasein einer Gottheit und die Unsterblichkeit der Seele darlegt, ist eine Untersuchung teils von einzelnen, teils von allgemeinen Tatsachen. Sie hat eine Grundlage in der Vernunft, soweit sie sich auf Erfahrung st�tzt, aber ihre beste und festeste Grundlage ist der Glaube und die g�ttliche Offenbarung. Die Moral und die �sthetik sind nicht eigentlich Gegenst�nde des Verstandes, sondern des Geschmacks und Gef�hls. Sowohl die moralische wie die nat�rliche Sch�nheit wird mehr gef�hlt als begriffen. Denkt man �ber sie nach, und will man einen Ma�stab f�r sie gewinnen, so betrachtet man eine neue Tatsache, d.h. den allgemeinen Geschmack der Menschen oder etwas �hnliches, was dann den Gegenstand des Nachdenkens und der Untersuchung bilden kann. Wenn man, von solchen Grunds�tzen erf�llt, die Bibliotheken durchsieht, welche Verw�stung m�sste man darin anrichten? Nimmt man z.B. ein theologisches oder streng metaphysisches Werk in die Hand, so darf man nur fragen: Enth�lt es eine dem reinen Denken entstammende Untersuchung �ber Gr��e und Zahl? Nein. Enth�lt es eine auf Erfahrung sich st�tzende Untersuchung �ber Tatsachen und Dasein? Nein. Nun, so werfe man es ins Feuer; denn es kann nur Spitzfindigkeiten und Blendwerk enthalten. Dass alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anfange, daran ist gar kein Zweifel; denn wodurch sollte das Erkenntnisverm�gen sonst zur Aus�bung erweckt werden, gesch�he es nicht durch Gegenst�nde, die unsere Sinne r�hren und teils von selbst Vorstellungen bewirken, teils unsere Verstandest�tigkeit in Bewegung bringen, diese zu vergleichen, sie zu verkn�pfen oder zu trennen, und so den rohen Stoff sinnlicher Eindr�cke zu einer Erkenntnis der Gegenst�nde zu verarbeiten, die Erfahrung hei�t? Der Zeit nach geht also keine Erkenntnis in uns vor der Erfahrung vorher, und mit dieser f�ngt alle an. Wenn aber gleich alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anhebt, so entspringt sie darum doch nicht eben alle aus der Erfahrung. Denn es k�nnte wohl sein, dass selbst unsere Erfahrungserkenntnis ein Zusammengesetztes aus dem sei, was wir durch Eindr�cke empfangen, und dem, was unser eigenes Erkenntnisverm�gen (durch sinnliche Eindr�cke blo� veranlasst) aus sich selbst hergibt, welchen Zusatz wir von jenem Grundstoffe nicht eher unterscheiden, als bis lange �bung uns darauf aufmerksam und zur Absonderung desselben geschickt gemacht hat. Es ist also wenigstens eine der n�heren Untersuchung noch ben�tigte und nicht auf den ersten Anschein sogleich abzufertigende Frage: ob es ein dergleichen von der Erfahrung und selbst von allen Eindr�cken der Sinne unabh�ngiges Erkenntnis gebe. Man nennt solche Erkenntnisse a priori, und unterscheidet sie von den empirischen, die ihre Quellen a posteriori, n�mlich in der Erfahrung, haben. Jener Ausdruck ist indessen noch nicht bestimmt genug, um den ganzen Sinn, der vorgelegten Frage angemessen, zu bezeichnen