Freund! Die Welt kennt Sie, achtet und liebt Sie.« »Amen!« sagte hämisch der General. »Das ist mir auch von der Welt sehr gleichgültig. Doch gehen wir weiter. Meine Frau also, dieser Engel der Sanftmut, Aufrichtigkeit, Ehrbarkeit und was man Alles will, hat mir von jeher Veranlassung zu - nun, wie soll ich sagen? - zu Misstrauen gegeben. Anfänglich kämpfte ich es nieder: Ich schämte mich vor mir selber. Was mir Alles verdächtig erschien, kann ich nicht sagen - ein Blick, ein Wort, ein Brief, eine seltsame Bekanntschaft, Vieles war vielleicht folie et pure imagination de ma part, mais - mir ward immer klarer, in dem Leben meiner Frau sei etwas Ungehöriges, sie sei sich einer Schuld gegen mich bewusst, sie habe mir etwas zu verbergen.« »Aber lieber Freund,« entgegnete der Polizei-Präsident mit sanfter Stimme, »nehmen Sie mir nicht übel: Da ist freilich viel Phantasie im Spiel. Das Leben der Baronin hier in diesem Hause liegt so klar und offen da, ihr ganzes Betragen ist durchsichtig wie Kristall. Alle Wetter!« fuhr er mit einem scheinbaren Anfluge von Humor fort, »wir von der Polizei wissen mehr, als man glaubt. Wir sehen in viele Intriguen hinein. Uns sollte ein Ehemann fragen, wenn er seiner Frau misstraut.« »In diesem Fall,« erwiderte spöttisch der General, »würde er viel erfahren! Wir sind ja unter uns, mon cher. Gehen Sie mir mit der Allwissenheit Ihrer Polizei. Ihr seht nur das, was auf der Oberfläche schwimmt; tief hinein wagt ihr eure Nase nicht zu stecken. - Au nom de Dieu, je vous prie, was Sie vom jetzigen Leben meiner Frau sagen, mag sehr wahr sein, aber ich denke ja an die Vergangenheit! Von da her zieht sich durch ihr Wesen ein finsterer Ton, ein schwarzer Faden, den sie nicht abbrechen kann, den sie beständig mit Geist und Liebenswürdigkeit zuzudecken sucht, dem ich aber auf die Spur gekommen bin.« »Sie erschrecken mich.« »Ich habe meine Frau eigentlich nie daran gehindert, auszugehen, auszufahren, kurz, zu tun, was ihr beliebt. Wohl ist es wahr, dass ich ein auffallendes Umhertreiben nie leiden konnte, und mich deshalb zuweilen veranlasst sah, der beständigen Lust meiner Frau, Besuche zu machen, einen Zügel anzulegen. Ich gestehe es, ich bestand zuweilen, namentlich nach kleinen Szenen unter uns, darauf, dass sie das Haus nicht verlasse, und dass sie gerade dann oft ausfuhr, machte mich aufmerksam. Je l'épiais.« »Das war sehr gefährlich, bester General.