, doch höchst auffallend, und mir ahnte, es würde in die Länge nicht wohl dauern. Wie leicht, so meint ich, wär es möglich, dass unter solchen Influenzen sich dies und jenes von seiner ursprünglichen Farbe verwischte, dass sein Ehrgeiz eine falsche Richtung nähme, dass er an der Treue gegen seinen Genius etwas aufopferte! Kurzum, mich peinigte etwas, und wär's auch nur das törichte Mitleid, das einen anwandeln kann, wenn der Kristall, losgerissen aus seiner mütterlichen Nacht, die sein Wachstum förderte, in die unkeuschen Hände der Menschen fällt. Doch das sind Possen. Aber du siehst nur daraus, ich bin weder borniert, noch anmassend, noch leichtsinnig genug, dir dein eigentliches Esse zu bestreiten und den stillen Boden aufzulockern, worin dein Wesen seit frühester Zeit so liebevoll Wurzel geschlagen. Gewiss, ich habe die herrlichsten Früchte daraus hervorgehn sehen; und - Nolten! siehst du, es hat dich nicht befremdet noch verdrossen, wenn du seit der ganzen Zeit, als wir uns kennen, nichts von überschwenglichem Lobe, von entusiastischen Diskursen über den Gang deines Geistes und dergleichen aus meinem Munde vernahmst; ich bin nun einmal wie ich bin. Aber in diesem Augenblick, wo sich so viel ernste Betrachtung von selbst aufdringt, du deine Sache gleichsam auf die Spitze stellst, jetzt möcht ich wohl, dass die Zunge sich mir löste, dass ich dir sagen könnte, wie ich von Anfang an mit einer stillen Rührung, mit einer bewundernden Freude deiner Entwicklung zugeschaut, ja gewiss mit mehr Pietät und Sorgfalt, als du mir zuzutrauen scheinst.« Nolten hörte mit zunehmendem Staunen die Bekenntnisse seines Freundes, wodurch er sich wirklich höher geehrt und herzlicher gestärkt fühlte, als durch das ruhmvollste Lob, das ihm irgendein mächtiger Gönner hätte spenden mögen. Er wollte soeben etwas erwidern, als der Schauspieler fortfuhr: »Lass mich dir eins anführen. Du erinnerst dich des Gesprächs, das wir bei einem Spazierritt nach L. zusammen hatten. Es war der köstlichste Abend mitten im Juli, die untergehende Sonne warf ihren roten Schein auf unsere Gesichter, wir schwatzten ein weites und breites über die Kunst. Mit jedem Worte schlossest du, ohne es zu wollen, mir die Bildung deiner Natur vollständiger auf, zum erstenmal durft ich mich freudig in den innern Kelch deines Wesens vertiefen. Es frug sich, weißt du über das Verhältnis des tief religiösen und namentlich des christlichen Künstlergemüts zum Geist der Antike und der poetischen Empfindungsweise des Altertums, über die Möglichkeit einer beinahe gleich liebevollen Ausbildung beider Richtungen in einem und demselben Subjekte. Ich gestand dir eine hohe und seltene Universalität zu, wie denn hierüber auch nur eine Stimme sein kann. Ich überzeugte mich, es sei für deine Kunst