Schurken, den Menschen, der in einem Atem zehn Lügen sagt, den Eiteln, der hoch von seinem eigenen Werte aufgeblasen ist, den rohen, ungebildeten Menschen, dem die gemeinste Lebensart fehlt, und ich will mit allen fertig werden, nur nicht mit dem, der allenthalben die reine Bruderliebe erwartet, der mit den Menschen, wie mit Blumen oder Nachtigallen, umgehen will. Nach einem Jahre. Mein Sohn Eduard fängt an, mir in einem hohen Grade zu missfallen. Er wird altklug, ehe er noch Verstand genug hat, um listig zu sein. Solche frühreife Tugend ist gewöhnlich nichts, als ein Gefühl des Unvermögens, eine Empfindsamkeit, die späterhin zur völligen Schwachheit wird. Emilie ist halb das Bild ihrer Mutter, und halb eine Kopie nach ihrem Bruder. Ich hoffe, beide werden noch richtigere Ideen über das Leben gewinnen. Stolz darf man nicht auf sich sein, denn das erzeugt eine Menge empfindsamer Torheiten, aber man muss sich schätzen, um sich nicht unter die übrigen Menschen zu erniedrigen, um ihnen nicht dadurch unmittelbar Gelegenheit zu geben, dass sie Vorteile über uns gewinnen. Nach mehreren Jahren. Mein Sohn wird mit jedem Tage ein größerer Tor und er lässt es mich sogar merken, dass er mich und meine Grundsätze nicht achtet. Er schließt sich mit Innigkeit an jedes übertriebene und unnatürliche Gefühl. Es schmerzt ihn nicht, dass er sich dadurch von meinem Herzen entfernt, denn er ist unter Luftgestalten einheimisch. Die Erfahrungen, die mir aus dem Gewühle der Welt hiehergefolgt sind, haben mich nun völlig beruhigt. Ich habe es deutlich erfahren, in wie hohem Grade die Menschen verächtlich sind. Alle meine jugendlichen Vermutungen haben sich erfüllt, und es war heilsam, dass ich so ausgerüstet unter die boshafte Schar trat. Argwohn ist die Wünschelrute, die allenthalben richtig zeigt, man irrt sich in keinem Menschen, wenn man gegen jeden misstrauisch ist, denn selbst die Einfältigsten haben Minuten der Erleuchtung, in denen sie uns Schaden zufügen. Wenn man mit Leuten umgeht, die aus Unwissenheit, oder weil sie selbst keinen Grund davon anzugeben wissen, rechtschaffen sind, so muss man ihre Tugend nie auf die Probe stellen, wenn sie uns dadurch nützlich bleiben sollen; denn in dem Augenblicke, in welchem sie darüber nachdenken, werden sie verwandelt, und wenn sie auch ihre Ehrlichkeit noch aus dem gegenwärtigen Gedränge bringen, so kann man sich im nächstfolgenden zweifelhaften Falle niemals auf sie verlassen. - Wie viel ist aber die Ehrlichkeit wert, wenn sie nur darin besteht, dass der Mensch gar nicht weiß, dass man ihm diesen Vorzug beilegt? Selbst der Pöbel hat diese Armseligkeit der Tugend bemerkt und ein Sprichwort darüber gemacht, dass der ein Dieb bleibt, der nur