ich mich und meine Phantasie ziemlich durch braunes Bier1 wieder auf, das ich (wenn ich Atem holen wollte) so lange nehmen musste, als ich über dem Herrn von Haller saß. In diesem Vehikel und in dieser Verdünnung bracht' ich diese Arznei des Geistes, die Physiologie, leichter hinein. Ich kann also, wenn ich nicht der größte Trinker werden will, unmöglich der größte Physiolog werden.« »Es ist gut,« - sagt' er ungeduldig und zog aus seinem Muff den Schwanz heraus - »aber so wird nichts. Ich und du stehen hier in lauter Ausschweif-Reden, anstatt in vernünftigen Paragraphen; die Rezensenten deiner Biographie müssen glauben, ich wäre wenig systematisch. Ich will jetzt reden wie ein Buch oder wie eine Doktordisputation; ich sollte ohnehin eine für einen Doktoranden mit der Doktorsucht schreiben und wollte darin entweder den nervus ischiaticus oder den nervus sympateticus durchgehen; ich wills bleiben lassen und hier und in der Disputation von schwachen Nerven überhaupt reden. Jeder Arzt muss eine Favorit-Krankheit haben, die er öfters sieht als eine andre - die meinige ist Nervenschwäche. Reizbare, schwache, überspannte Nerven, hysterische Umstände und deine Hypochondrie - sind viele Taufnamen meiner einzigen Lieblingkrankheit. Man kann sie so zeitig wie den Erbadel bekommen - der Erbadel selber, fast die höheren Weiber und höchsten Kinder haben sie aus dieser ersten Hand - dann kann sie durch alle Doktor-Hüte gleich den ewigen Höllenstrafen nicht weggenommen, sondern nur gelindert werden. Du aber hast sie dir wie den Kaufadel durch Verdienste erworben.« - - »Sie ist vielmehr selber ein Verdienst,« - sagt' ich - »und ein Hypochondrist ist der Milchbruder eines Gelehrten, wenn er nicht gar selber dieser ist; so wie die Blattern, die den Affen so gut wie uns befallen, auf seine Verwandtschaft mit dem Menschen das Siegel drücken.« - »Aber dein Verdienst« - fuhr er fort - »ist viel leichter zu kurieren. Wenn man dir dreierlei, nämlich deine patologischen Fieberbilder - deine Arzneigläser - und deine Bücher nimmt: so wird die Krankheit mit dreingegeben. Ich vergesse immerfort, dass ich wie eine Disputation reden will. Also die Fieberbilder! - Die jämmerlichste Semiotik ist sicherlich nicht die sinesische, sondern die hypochondrische. Deine Krankheit und eine stoische Tugend gleichen sich darin, dass, wer eine hat, alle hat. Du standest als eine tragende Pfänderstatue da, der die Patologie alle ihre Insignien und Schilde aufpackte und umsteckte - jämmerlich schrittest du herum unter deinem medizinischen Gewehrtragen und deiner semiotischen Landfracht von Herzpolypus, mazerierten Lungenflügel, Magen-Insassen u.s.w.« »Ah!« versetzte ich, »alles ist abgeladen, und ich trage bloß