jeder sich einbildet, den besten Glauben zu haben, und wie der Eifer andere zu bekehren allenthalben in der Welt Mode ist. Der Bei hatte ein besonderes Vergnügen, mit mir von der Religion zu sprechen: Er war der Meinung, die Seinige wär die beste. Ich hatte eine leichte Sache, ihm das Gegenteil zu erweisen. Der Bei hatte Verstand und Einsicht: er hatte viel gelesen, und wusste was zu einem richtigen Schluss gehörte. Ich sagte ihm, seine ganze Religion wär auf das Ansehen eines einzigen Menschen gegründet, welche man entweder mit oder ohne Vernunft annehmen müsste: wär es das erste, so dürfte man sie untersuchen: dörfte man sie untersuchen, so würde man bald finden, dass sie die Eigenschaft der Göttlichkeit nicht hätte: dürfte man sie aber nicht untersuchen, so hätte Numa Pompilus so viel Recht als Mahomed gehabt, eine Religion nach seinen Absichten zu schmiden. Der Bei meinte, dass wir ebenfalls keinen andern Beweis von der Warheit unserer Religion hätten, als das Ansehen von Mose und Christo; allein ich zeigte ihm, dass diejenige Religion, welche uns dieselbe lehrten, sich gar nicht auf menschliches Ansehen, sondern auf die Warheit selbst gründete; und daher auch alle Untersuchung litte; Sie lehrte uns von Gott auf eine der Göttlichkeit gemässe Art dencken; sie schickte sich für unsern Leib, indem sie uns zur Mäßigkeit und zur Gesundheit anwies; sie schikte sich für unsern Geist, indem sie dessen Begierden nach einer ewigen Weissheit und Glückseligkeit mit Erkäntnüs und Trost erfüllete; sie schikte sich für den Staat und für die bürgerliche Gesellschaft, indem sie die Gerechtigkeit und die Ordnung zum Grund setzte. Wie aber steht es um eure Geheimnisse, fragte hier auf der Bei? Geheimnisse, war meine Antwort, haben wir in unserer Religion eigentlich keine; aber in Ansehung unserer Begriffe, sehr viele. Unser Glaube, fuhr ich fort, macht uns aus nichts Geheimnisse? er entdecket uns vielmehr die Tiefen der Gottheit, und die allerverborgenste Weisheit. Wir sind aber gleichsam noch wie die Frucht in Mutterleibe, die erstlich soll geboren werden; wir leben noch in einem dunckeln Ort, und sehen nur das Licht von ferne; So bald wir aber anfangen weise zu werden, so kommen wir von einer Klarheit zur andern, und wachsen unendlich in aller Erkänntnüs, Wahrheit und Heiligkeit. Die Himmlische Körper, Sonn, Mond und Sterne, scheinen in unsern Augen durch die unermessene Tiefe nur kleine Lichter; Sie sind uns nicht verborgen als Geheimnisse; unsere Augen reichen nur nicht so weit; wir sind wegen ihrer Entfernung nicht fähig ihre Größe zu messen, und ihre Körper recht zu erkennen. Solche Beschaffenheit, sagte ich, hat es auch mit den vermeinten Geheimnüssen unserer Religion